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  EPI - NEWS
 

Auf dieser Seite setze ich einmal sehr wichtige Informationen, neue Erkenntnisse und den "Edelstein-Newsletter" vom EPI-Institut für Edelsteinprüfung ein. Für die freundliche Genehmiging bedanke ich mich auch bei Bernhard Bruder, der dieses Institut leitet und schon einige sehr empfehlenswerte Bücher geschrieben hat.

Alle Rechte liegen bei Bernhard Bruder

EPI - Institut für Edelsteinprüfung
Riesenwaldstr. 6
D-77797 Ohlsbach
Tel: +49 (0)7803 600808
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http://www.epigem.de

Weitere Infos findest Du auf der Internetseite: http://www.epigem.de, die ich sehr gerne weiter empfehle.

Welcher Heilstein ist das?


Ein Bestimmungsbuch und Nachschlagewerk zu 140 Heilsteinen und 350 Varietäten. 960 Farbfotos

Autoren: Michael Gienger & Bernhard Bruder

Im Frühjahr 2009 überraschte der Kosmos-Verlag mit dem Werk „Welcher Heilstein ist das?" sowohl die eigene Stammkundschaft als auch die eingefleischten Fans der beiden Autoren Michael Gienger („Die Steinheilkunde" u.a.) und Bernhard Bruder („Geschönte Steine"). „Seit wann gibt es Heilsteine-Bücher bei Kosmos?" fragten die einen, „Was bringt dieses Werk Neues?" die anderen.

Dass es nun Heilsteine-Bücher bei Kosmos gibt, ist maßgeblich Michael Gienger zu verdanken, denn kaum jemand arbeitet seit über zwei Jahrzehnten so eisern daran wie er, die Steinheilkunde zu einem seriösen Naturheilverfahren zu entwickeln. Das wird neuerdings honoriert: Medizinische Verlage klopfen inzwischen ebenso an seine Tür wie der naturkundlich orientierte Kosmos-Verlag. Dass das neue Werk aber tatsächlich auch Neues zu bieten hat, daran ist maßgeblich Bernhard Bruder beteiligt, der zweite im Bunde. Als erfahrener Mineraloge und Geschäftsführer des gemmologischen Instituts für Edelstein Prüfung (EPI) recherchiert er, ebenfalls wie kaum ein anderer, seit über einem Jahrzehnt speziell die mineralogisch-gemmologischen Daten von Heilsteinen. Eine dringend notwendige Maßnahme bei einem Heilsteine-Markt, der so aktiv ist, dass Steine schneller in den Handel kommen, als die Wissenschaft ihnen Namen geben kann (so z.B. bei den „EIdariten" Nebulastein und Kabambastein).

Seiner mit Unterstützung des Schweizer Geologen Dr. Andreas Stucki durchgeführten Recherche ist zu verdanken, dass das vorliegende Werk mit etlichen mineralogischen Überraschungen aufwarten kann.
Wenn sich gleich zwei kluge Köpfe zusammentun, darf man gespannt sein! Doch was bietet „Welcher Heilstein ist das?" tatsächlich Neues?

Zunächst einmal ist das Buch ein Kosmos-typisches „Bestimmungsbuch für Heilsteine", wobei man die „Heilsteine" herausstreichen muss. Es ist kein Bestimmungsbuch für „Mineralien" oder „Gesteine", da es sich nicht in erster Linie natürlichen Fundstücken widmet, sondern den überwiegend rundpolierten oder geschliffenen „Heilsteinen". Für diese mussten die Autoren jedoch einen eigenen „Bestimmungsschlüssel" entwickeln, da viele mineralogische Bestimmungsmethoden (Spaltbarkeit, Verhalten in der Flamme bzw. gegenüber Säuren) nicht „zerstörungsfrei" sind.
Allein mithilfe der Farbe, dem spezifischen Gewicht, der Ritzhärte (ein kleiner Ritz ist oft akzeptabel), einem kleinen Foto und einer ausgefeilten Beschreibung ist es den Autoren gelungen, 350 Varietäten von 140 Heilsteinen präzise zu differenzieren. So etwas ist bislang einzigartig! 40 Seiten des Buchs sind diesem Bestimmungsteil gewidmet, der natürlich seine Grenzen hat (wie die meisten mineralogischen Bestimmungsbücher auch), da in einem Taschenbuch niemals alle Varietäten in jeder bekannten Erscheinungsform Platz haben. Die Auswahl der 140 besprochenen Heilsteine mit ihren 350 Varietäten wurde jedoch so getroffen, dass 95% der gängigen Heilsteine tatsächlich beschrieben sind.
Im darauf folgenden, 160 Seiten umfassenden Teil werden alle diese Steine in einer knappen, jedoch erstaunlich inhaltsreichen Weise besprochen. Hier fällt zunächst die üppige Ausstattung mit Fotos auf. Jeder Heilstein wird einerseits mit einem großen, meist qualitativ hervorragenden Foto charakteristisch dargestellt und zugleich zeigen kleine Abbildungen in der Randspalte die verschiedenen Varietäten. Stolze 960 Farbfotos haben daher in das Buch Einzug gehalten - und erstaunlicherweise Platz für etwas Text gelassen.
Der Text ist ähnlich dicht gehalten wie die Fotos - nach dem Gienger'schen Motto: „Jedes Wort ein Treffer!" Tatsächlich ist es erstaunlich, wie es den Autoren gelingt, auf minimalem Platz stattliche Mineralfamilien wie die Feldspäte oder Zeolithe zu beschreiben und dabei wirklich alles Wichtige zu benennen. Es fühlt sich manchmal so an, als hätten die beiden Michael Giengers „Lexikon der Heilsteine" ohne Inhaltsverlust einfach kleingeschrumpft - und dabei zugleich noch durchgehend aktualisiert. Viele Angaben sind trotz weniger Worte genauer als in den früheren Werken Michael Giengers. So sind die Entstehungsweisen etlicher Heilsteine fundortspezifisch präzisiert, die typischen Farben der Steine wurden konkretisiert und das typische Erscheinungsbild jedes Steins wird in wenigen Worten recht treffend skizziert. Gerade für die Analytische Steinheilkunde ist dies wichtig. Wer sich mit ihr beschäftigt, bekommt mit dem vorliegenden Werk ein unersetzliches Update serviert. Überraschungen inclusive, wie z.B. das Kapitel „Serpentin" offenbart. Lediglich die steinheilkundlichen Beschreibungen bieten nur wenig Neues, wenn man das „Lexikon der Heilsteine" oder das kleine Verzeichnis „Heilsteine von A-Z" von Michael Gienger kennt. Ein paar Fakten sind neu, doch das Wesentliche ist bekannt. Für besondere Nuancen ist in durchschnittlich vier bis acht Zeilen einfach kein Platz und in ihren Grundeigenschaften hat sich bei den meisten Heilsteinen nichts gravierendes verändert. Wer daher nach ausführlichen steinheilkundlichen Darstellungen sucht, sollte nach wie vor besser zum Buch „Die Steinheilkunde" greifen.

Insgesamt kann das Buch „Welcher Heilstein ist das?" allen Menschen von Nutzen sein, die gelegentlich vor dem Problem stehen, ihre Heilsteine erneut identifizieren und ordnen zu müssen. Ebenso jenen, die sich ein ganzheitliches, Mineralogie und Heilkunde umfassendes,
Bild ihrer Heilsteine machen möchten und sich dabei ein tragbares, übersichtliches Buch wünschen (sprich: das Lexikon lieber zuhause im Regal stehen lassen). Doch insbesondere für all jene, die sich mit der Analytischen Steinheilkunde beschäftigen und präzise Angaben zu Fundorten und anderen Fakten benötigen oder die einfach hinsichtlich der mineralogischen Daten der Heilsteine auf dem neuesten Stand sein möchten, kann das besprochene Werk eine große Hilfe sein.

 

Geschönte Steine


Das Erkennen von Imitationen und Manipulationen bei Edelsteinen und Mineralien.

2. Auflage, 126 Seiten, 48 farbige Abbildungen

Autor: Dipl.-Min. Bernhard Bruder

Edelsteine werden schon seit Jahrhunderten gesammelt, getragen, als Wertanlage aufbewahrt und in vielfältiger Art und Weise als Heilsteine oder zur Meditation benutzt. Doch noch nie in der Geschichte gab es ein so großes Angebot an Edel- und Schmucksteinen wie heute. Nicht alle diese Steine halten, was das ansprechende Äußere verspricht, denn gleichzeitig waren noch nie so viele manipulierte und imitierte Mineralien und Edelsteine im Handel.

Der Wunsch vieler Edelsteinkäufer, schöne Steine möglichst preisgünstig zu erwerben und das Bestreben der Händler, ihre Steine möglichst gewinnbringend verkaufen zu können, hat zu einer fatalen Entwicklung geführt. Gerade dann, wenn gewisse Rohsteine verknappen oder bestimmte Edelsteine besonders hoch im Kurs stehen, werden Steine vielfach manipuliert, imitiert oder synthetisch hergestellt, um die Nachfrage zu befriedigen. Es ist ein florierender Markt entstanden, der sich inzwischen auch in den Mineralienbereich ausgebreitet hat. Wenn früher noch die Regel galt: "Je teurer ein Edelstein, desto häufiger wird er gefälscht", so ist die Entwicklung heute an einem Punkt angekommen, an dem selbst preisgünstige Schmucksteine manipuliert werden, wo immer es geht. Der Mineralien- und Edelsteinmarkt ist durchsetzt mit diesen Steinen, die mit bloßem Auge meist nicht mehr von echter Ware zu unterscheiden sind. Nicht nur der interessierte Laie ist völlig überfordert, wenn es um die Frage der Echtheit geht. Selbst im Fachhandel finden wir oftmals Imitiertes neben Echtem, Behandeltes neben Naturbelassenem.


Der Leitfaden "Geschönte Seine" setzt genau an diesem Punk an. Er gibt dem edelsteinkundlichen Laien Informationen und einfache Methoden mit auf den Weg, damit er ohne Vorkenntnisse viele gängige Imitationen und künstliche Eigenschaftsveränderungen an Edelsteinen, Schmucksteinen und Mineralien selbst erkennen kann.

Das leicht verständlich geschriebene  Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im allgemeinen Teil werden in sieben Kapiteln die wichtigsten Behandlungsmethoden vorgestellt:

Färben
Brennen
Bestrahlen
Rekonstruieren
Stabilisieren (d.h. mit Kunststoff imprägnieren)
Paraffinieren  (wachsen)
Ölen

In den einzelnen Kapiteln finden sich Antworten auf Fragen wie:

Auf welche Kriterien sollten Sie beim Edelsteinkauf achten?

Welche Manipulationen können Ihnen begegnen?

Woran erkennen Sie eine Imitation?

Wie können Sie sich vor Fälschungen schützen?

Welche rechtlichen Vorschriften gibt es?

Welche bestrahlten Steine können radioaktiv sein?

Wie beurteilt man die Qualität eines Edelsteins?

Zwei weitere Kapitel befassen sich mit künstlich gezüchteten Kristallen (Synthesen) und den Nachahmungen echter Steine (Imitationen). Am Ende jedes Kapitels wird anhand der derzeit gültigen gesetzlichen Bestimmungen erörtert, ob oder wie diese Behandlungsmethoden zu deklarieren sind. In den neun folgenden Kapiteln werden einfache Bestimmungsmethoden beschrieben, die dem Laien und Fachmann zur Verfügung stehen, um Manipulationen an Edelsteinen zu erkennen (mit Übersichtstabellen).

Im speziellen Teil werden 50 Steinsorten besprochen, bei denen Manipulationen und Imitationen häufig auftreten. Bewusst wird dabei auf die Beschreibung von "Exoten" verzichtet, um das Feld übersichtlich zu halten. Eine Besonderheit ist, dass bei den beschriebenen Steinen wird keine Flut allgemeiner Daten mitgeliefert wird, die in jedem Lexikon nachgeschlagen werden können. Es werden nur diejenigen Merkmale erwähnt, die auch tatsächlich zur Identifikation und Unterscheidung von anderen Steinen wichtig sind. Gegebenenfalls wird auf neuerdings auf dem Markt kursierende Imitationen speziell hingewiesen. Veranschaulicht werden diese Informationen durch unmittelbar benachbarte Bildtafeln, auf denen der naturbelassene Stein neben seinen behandelten und imitierten Spezies abgebildet ist.

Zahlreiche, in dieser Form bislang unveröffentlichte praktische Tips und 28 farbige Abbildungen werden dieses Handbuch zu Ihrem unersetzlichen Einkaufsbegleiter machen.

Autor:       B. Bruder
Titel:        Geschönte Steine
Ausgabe:  2 / 2005
Verlag:     Neue Erde
ISBN:       3-89060-079-4
Preis:      16,80 EUR

 


 

Bedampfte Schmucksteine

15. Januar 2012
 
Sie tragen verheißungsvoll klingende Fantasienamen wie "Angel Aura", "Aqua Aura" oder "Tanzan Aura Quarz": künstlich mit metallischen Überzügen bedampfte Schmucksteine verbreiten sich sowohl in Form von geschliffenem Schmuck als auch als behandelte Rohkristalle immer mehr im Handel.

Das Verfahren, mit dem die Kristalle bedampft werden, wird "Plasma-Sputtering" (engl.: to sputter = zerstäuben) genannt und funktioniert wie ein Brennofen, in dem ein 2000°C heißes Plasma erzeugt wird. Dabei verdampft an einer als Kathode fungierenden Elektrode ein Metall, das im Plasma in seine atomaren Bestandteile zerlegt wird und sich anschließend auf allen Gegenständen abscheidet, die sich als Anode in der Nähe befinden.

Ursprünglich wurde das Verfahren dazu entwickelt, beliebige Materialien mit neuen elektrischen und optischen Eigenschaften zu versehen. Aber bereits in den 1970er Jahren entdeckte man, dass die Methode hervorragend geeignet ist, um bei Quarz und Topas künstliche Farbvarietäten für den Schmuckmarkt zu erzeugen. In der Folge kamen einige bis dahin unbekannte Farbvarietäten auf den Markt (z.B. "Mystic Fire Topaz") und eine Menge bereits bekannter Varietäten nach Art von Citrin, Amethyst, Goldtopaz usw.

Dabei erzeugt eine dünne Schicht Gold (Au) bei Bergkristallen hellblaue Farbtöne (Handelsname "Aqua Aura"), eine Mischung von Gold mit Platin führte zu purpurnen und silbrig irisierenden Farbnuancen (Handelsname »Angel Aura«), Indium sorgte für dunkelblaue, tansanitähnliche Farben (»Tanzan Aura Quarz«) und Wismut für ein gelbes, citrinartiges Aussehen. Mit Blei bedampfte Bergkristalle zeigten grüne Farben, Chrom erzeugte rote Farbtöne und Titandioxid einen Schiller in Regenbogenfarben (Handelsname »Rainbow-Quarz«). Inzwischen ist das komplette Farbspektrum des Regenbogens abgedeckt.

Bei Topas sorgt Titan (Ti) für rote Farbvaritäten (Handelsname "Mystic Fire Topaz") und eine Mischung von Eisen und Titan (Fe + Ti) für goldgelbe Farben ("Imperial Gold Topas").

Die Metallschicht ist nur wenige Atomlagen dick und nicht besonders kratzfest. Da die farbtragende Schicht sich bei Schmuckstücken durch den alltäglichen Gebrauch relativ schnell abnutzt, wurden Wege gesucht, diesen Mangel zu beseitigen oder zu umgehen. Die erste Lösung besteht darin, die Beschichtung nur auf der Unterseite eines geschliffenen Steins aufzubringen. Die empfindliche Oberfläche wird dann durch die Fassung geschützt, die Farbe hingegen strahlt durch den ganzen Stein. Die zweite Methode besteht darin, bereits bedampfte Steine in einem zweiten Schritt mit einer hauchdünnen Schicht aus synthetischem Diamant zu überziehen und die Oberfläche damit resistenter gegen mechanische Beanspruchung zu machen. Beide Methoden werden aus Kostengründen ausschließlich bei geschliffenen (facettierten) Steinen angewandt.

Die Fortschritte der letzten Jahre in der Beschichtungstechnik führten zu einem deutlich verbesserten Erscheinungsbild und zu einer stetig wachsenden Zahl von Edelsteinen, die für diese Behandlung geeignet sind. Neben Quarz sind Beschichtungen auch bei Diamant, Saphir, Topas, Smaragd, Opal, Apatit, Spinell, Tansanit und Topas bekannt geworden.

Ein neuer Trend geht dahin, Edelsteine und künstliche Produkte mit dünnen diamantähnlichen Schichten (DLC - Diamond like Carbon) oder gleich mit synthetischem Diamant (CVD - chemical Vapor Deposition) zu überziehen und damit ihre optischen und physikalischen Eigenschaften zu verändern. Unter laut CIBJO irreführenden Handelsnamen, die alle den Begriff "Diamond" oder "Diamant" im Namen tragen, werden synthetische Rubine, Saphire, Smaragde und Alexandrite mit einer künstlichen Diamantbeschichtung angeboten. Leider wird bei der Anpreisung der Ware mit irreführenden Angaben gearbeitet, um zu verschleiern, dass es sich um synthetische Steine handelt. Das als Diamantimitation weit verbreitete Kunstprodukt Zirkonia (CZ) wird in den Farben smaragdgrün, rubinrot und saphirblau mit dünnen Diamantschichten überzogen und unter Handelsnamen wie Diamantine® oder Diamondlite® vermarktet.

Bedampfte Rohmineralien sind relativ leicht anhand des charakteristischen Flächenschillers erkennbar. Bei Schmuckstücken ist jedoch Vorsicht geboten, da die Beschichtung  oft nur bei genauer mikroskopischer Untersuchung erkennbar ist.

weiterführende Literatur:
Bruder, B. (2012): Geschönte Steine, 3. Aufl., Neue Erde Verlag.
HENN, U. (2003): Edelsteine mit aufgedampften, hauchdünnen Metallschichten, Z. Dt. Gemmol. Ges., 52, 1, 41-44.
RÖSSLER, L. (2007): Durch Bedampfen behandelte Topase, Gemmo News, Ö.Gem.G., 20, 10-11.

© EPI, 2012



Edelstein-News Nr. 1
Dalmatinerstein
Dieses schwarz-weiß gesprenkelte Gestein, welches nach der Hunderasse der Dalmatiner benannt wurde, ist auch unter dem Handelsnamen ”Dalmatiner-Jaspis“ bekannt geworden. Die schon mit bloßem Auge erkennbare körnige Struktur ließ jedoch Zweifel an der Richtigkeit dieser  Bezeichnung aufkommen. Aber auch die kursierenden Mutmaßungen über die mineralogische Zusammensetzung und Entstehungsweise dieses Gesteins, die von einem vulkanischen Porphyrit bis zu einem Gestein mit schwarzem Turmalin reichten, waren wissenschaftlich nicht belegt.
Grund genug für das EPI-Labor, dieses Gestein einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Schon die ersten Analysen der Gefügestruktur ließen die Vermutung aufkommen, dass es sich bei diesem Stein um ein Ganggestein handeln könnte. Um diese Vermutung zu verifizieren, war es notwendig
den Mineralgehalt dieses Gesteins genauer zu bestimmen. Von besonderem Interesse waren dabei die Entstehungsweise und der Mineralgehalt der schwarzen Flecken.



Abb. 1: Dalmatinersteine bestehen aus Feldspat (braun) Quarz (grau) und Amphibol (schwarz)
Photo: K. Sieber, www.makrogalerie.de


Deshalb
versuchten wir zunächst mit Hilfe einer Raman-Laser-Analyse herauszufinden, woraus diese schwarzen Flecken bestehen (Abb.2).
Die Analysen ergaben, dass es sich bei den schwarzen Punkten nicht um Turmalin handeln kann, sondern um ein Mineral aus der Amphibolgruppe. Da diese Gruppe äußerst vielfältig ist und zahlreiche Mischkristallbildungen aufweist, konnten aus dem gewonnenen Raman-Spektrum keine genaueren Rückschlüsse gezogen werden.


Abb. 2: Das von den schwarzen Flecken aufgenommene Raman-Spektrum deutet darauf hin, dass es sich dabei um ein Mineral der Amphibolgruppe handelt.

Eine petrographische Dünnschliffanalyse lieferte schließlich die notwendigen Informationen, um dieses Gestein genauer charakterisieren zu können. Im Dünnschliff zeigte sich bei 40 - 200 facher Mikroskop-Vergrößerung, dass die winzig kleinen, schwarzen Kristallaggregate, denen das Gestein seinen Namen verdankt, eine poikiloblastische Struktur besitzen (Abb.3). Solche Strukturen entstehen, wenn Minerale bei ihrem Wachstum zahlreiche andere kleinere Minerale mit einschließen. Die dunklen Bereiche konnten optisch als Ferro-Riebeckit bestimmt werden. Die hellen Minerale konnten unter gekreuzten Polarisationsfiltern als Quarze und Feldspäte identifiziert werden (Abb. 4). Bei den Feldspäten handelt es sich meist um Albit (Natrium-Feldspat), untergeordnet kommt auch etwas Mikroklin (Kalium-Feldspat) vor.




 

 



 















Abb. 3: Unter dem Durchlichtmikroskop zeigen sich die dunklen F
lecken als Einkristalle, die von hellen Mineralen durchwachsen sind.  
Photo: J. Lorenz; Bildbreite: 3 mm

Abb. 4: Bei der mikroskopischen Betrachtung unter gekreuzten Polarisationsfiltern heben sich die grauen Quarze und Feldspäte undeutlich
von den schwarzen Amphibol- Nestern ab.
Photo: J. Lorenz; Bildbreite: 3 mm

Damit war klar, dass es sich bei dem Dalmatinerstein weder um einen Jaspis noch um einen Porphyrit handelt, sondern um ein Ganggestein, welches in der Mineralogie als "Aplit" bezeichnet wird. Aplite sind weiße bis hellgraue, feinkörnige Ganggesteine, welche vorwiegend aus Feldspat und Quarz bestehen. Sie bilden sich bei der schnellen Abkühlung einer Restschmelze in den aufreißenden Klüften eines erkaltenden magmatischen Körpers.

Fazit:
Anhand von Raman- und Dünnschliffanalysen konnte der Dalmatinerstein als ein sehr feinkörniges, aplitisches Gestein granitischer Zusammensetzung mit deutlicher Natrium-Vormacht identifiziert werden. Der Hauptmineralbestand dieses Gesteins besteht aus Quarz, Feldspat (Albit, Mikroklin) und Amphibol (Ferro-Riebeckit).
Da dieses Gestein definitiv keinen Jaspis enthält, ist der Handelsname "Dalmatiner-Jaspis" irreführend. Die korrekte Bezeichnung lautet: Dalmatinerstein (Aplit).

Autor: Bernhard Bruder, © EPI - Institut für Edelsteinprüfung (www.epigem.de)


Thulit und Piemontit-Quarz aus Norwegen

Das bekannteste Vorkommen für die rosarote Zoisitvarietät Thulit liegt in Norwegen in der Gegend um Lom. Aus der gleichen Gegend kommt auch ein Piemontit-Quarz, der dem Thulit sehr ähnlich sieht und mit diesem leicht verwechselt werden kann.

Thulit und Piemontit sind Calcium-Aluminium-Silikate mit der chem. Formel Ca2Al3(SiO4)3(OH) (+ Mn, Fe). Sie kristallisieren jedoch in verschiedenen Kristallsystemen: zum einen als rhombischer Zoisit zum anderen als monokliner Klinozoisit. Beide Modifikationen können durch teilweisen Ersatz von Aluminium durch Mangan, schwach rötliche bis kräftig rosarote Farbvarietäten bilden, die dann Thulit (Mangan-Zoisit) bzw. Piemontit Mangan-Klinozoisit) heißen. Röntgenspektrometrische Untersuchungen des EPI-Instituts haben ergeben, dass es sich bei dem in Deutschland angebotenen Thulit aus Norwegen nur noch selten um reinen Thulit handelt, sondern fast immer um ein Gestein mit unterschiedlichen Anteilen an Thulit, Piemontit, Quarz, Muskovit-Glimmer, Tremolit und Calcit.

In einigen Proben, ging der Thulitgehalt sogar gegen Null und es war fast nur noch Piemontit nachweisbar. In den Piemontit dominierten Proben war der Quarzgehalt oft so hoch, dass die Bezeichnung "Piemontit-Quarz" angebracht ist. Auffällig ist, dass mit zunehmendem Piemontitgehalt auch der Gehalt an Muskovitglimmer ansteigt, wodurch es zu einem deutlichen Aventurisieren ("Glitzereffekt") kommen kann. Diesem Effekt ist es wohl zuzuschreiben, dass Piemontit-Muskovit-Quarz hin und wieder auch als "roter Aventurin-Quarz" angeboten wird




Shattuckit-Chrysokoll-Quarz

 

(Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de)

Aus der Kupferlagerstätte Tantara im Kongo, die früher schon sehr schöne Mischungen von Plancheit und Shattuckit mit Dioptas und weißem Calcit lieferte, kommt auch ein Gestein, das aus Shattuckit, Quarz, Chrysokoll, Azurit, Malachit, Bornit und weiteren Kupfererzen besteht und als "Shattuckit" vermarktet wird.

Das mittel- bis dunkelblaue Kupfermineral Shattuckit tritt üblicherweise als feinnadelige bis faserige Kristalle in radialstrahligen oder massigen Mineral-Aggregaten als Sekundärmineralisation in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten auf. Mit einer Mohs-Härte von 3½ ist es zu weich für die Schmuckherstellung und es steht in reiner Form auch nicht in ausreichender Quantität zur Verfügung, als dass es als Schmuckstein verwendet werden könnte.

Eingebettet in Quarz und zusammen mit anderen Kupfermineralien wie himmelblauem Chrysokoll und/oder grasgrünem Malachit bildet es jedoch eine Mineralzusammenstellung, die nicht nur optisch sehr ansprechend ist, sondern auch gut polierbare Schmucksteine ergibt.





 

Sonora Sunrise - ein farbenprächtiges Kupfererz

Dieses farbenfrohe Gestein kommt aus der Milpillas Kupfermine, die westlich der Ortschaft Cananea in der Sonora Wüste Nord-Mexikos liegt. Die kleine Mine produziert nur wenig Material, weshalb die Steine seit ihrer Markt-Einführung im Jahre 2006 hohe Preise erzielen.

Je nach Mineralverteilung variieren die Farben von einem dunkelroten Braun mit olivfarbenen Flecken bis hin zu schwarzen Zonen mit einem metallischen Schimmer, die patchworkartig vermengt sind mit blauen und grünen Zonen von eng mit einander verwachsenen Mineralien. Mittels röntgenographischer Methoden konnten die grün-blaue n Bereiche als eine Verwachsung des Kupfersulfats Brochantit, mit dem grünen Kupfersilikat Chrysokoll identifiziert werden. Die braun- bis orangeroten Bereiche bestehen aus dem Kupfer(I)oxid Cuprit welches wiederum mit dem schwarzen Kupfer(II)oxid Tenorit verwachsen ist.

Diese Mineralzusammensetzung ist typisch für die Oxidationszone kupferhaltiger, sulfidischer Erzkörper. Kupferoxide wie Cuprit und Tenorit bilden sich durch Oxidation aus verschiedenen Kupfersulfiden bzw. gediegen Kupfer. Brochantit und Chrysokoll sind typische Sekundärmineralien, die oft durch Infiltration von schwefel- und siliziumhaltigen Lösungen im Zusammenhang mit hydrothermalen Vorgängen entstehen.

Jedes dieser Kupfermineralien für sich genommen ist nicht unbedingt selten oder spektakulär. Ihre Kombination jedoch macht dieses Gestein zu einem selten farbenfrohen Schmuckstein. Die außergewöhnliche Farbenpracht kommt am schönsten im Cabochonschliff zur Geltung, weshalb das Material vor allem zu Schmuck verarbeitet wird.

Diopsid-Quarzit

Dieses grüne Gestein kam unter dem Handelsnamen "Malachit Jade" in das EPI-Labor. Unter dem Mikroskop war ein körniges Gestein erkennbar, zusammengesetzt aus dunkel- und hellgrünen, sowie farblosen Mineralen. Erste gemmologische Untersuchungen ergaben, dass sich die physikalischen Eigenschaften deutlich von denen der anerkannten Jademinerale Jadeit und Nephrit unterschieden (z.B. Dichte: 2,86). Da jedoch nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es sich vielleicht um ein Gestein handelt, das Jademinerale in untergeordneten Mengenanteilen enthält, wurde der Mineralbestand mittels Röntgen- und Dünnschliffanalyse genauer bestimmt.

Anhand des Röntgendiagramms ließen sich zwei Minerale identifizieren, die für die grüne Farbe verantwortlich sind: das hellgrüne Pyroxenmineral Diopsid und ein dunkelgrünes Mineral aus der Amphibol-Gruppe. Das dominierende Mineral ist jedoch eindeutig farbloser Quarz, der den Hauptbestandteil des Gesteins bildet. Die schwarze Bänderung wird durch einen hohen Erzanteil aus Pyrit und Goethit hervorgerufen. Letzterer hat sich wahrscheinlich durch die Umwandlung von Hämatit bzw. Magnetit gebildet.

Das Gestein hat also nichts mit den bekannten Jademineralen Jadeit und Nephrit zu tun, sonden ist ein grüner Schmuckstein aus der Quarzit-Gruppe. Die korrekte Bezeichnung lautet: Diopsid-Quarzit.

 

Regenbogen-Basalt

Der Handelsname Regenbogen-Basalt steht für einen dunklen Basalt aus Michigan (USA) mit rundlichen Hohlraumfüllungen aus einem komplexen Mineralgemenge aus rosaroten und grünen Feldspäten, grauem Quarz und ein wenig Calcit.

Eine Dünnschliffanalyse zeigte, dass die ursprünglich vorhandenen Mineralien zum Teil stark verwittert sind. Die ehemaligen blasenartigen Hohlräume sind mit zahlreichen, zum Teil komplexen Mineralisationen ausgefüllt.

Nachweisbar waren neben Feldspat und Calcit vor allem Quarzkriställchen. Die Feldspäte sind nicht mehr frisch, sondern haben sich zum Teil in Tonminerale zersetzt. Hinzu kommen optisch nicht näher bestimmbare Zeolithminerale.

Die bunten Farben sind zurück zu führen auf das Vorhandensein von Eisenoxiden (Hämatit, Goethit), was zu rötlichen Farbtönen führt und von Zeolithen und verwitterten Feldspäten, die grünlich erscheinen.

Die Grundmasse, die diese gefüllten Hohlräume umgibt, ist homogen und besteht vor allem aus Plagioklas-Feldspat. Dazwischen finden sich serpentinisierte Olivine und sehr vereinzelt Augite. Das reichlich vorhandene Eisenoxid, das wohl ursprünglich aus Magnetit bestand, hat sich in wenig Hämatit und reichlich Goethit umgewandelt. Die zwischen den Kristallen sitzenden Reste von Glas deuten auf ein Alter von weniger als ca. 150 Millionen Jahre hin.

Regenbogen-Basalt ist demnach ein relativ junger Basalt, der durch die ästhetisch ansprechenden bunten Hohlraumfüllungen seinen Weg in den Schmuckhandel gefunden hat.

 

Shattuckit-Chrysokoll-Quarz

 

(Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de)

Aus der Kupferlagerstätte Tantara im Kongo, die früher schon sehr schöne Mischungen von Plancheit und Shattuckit mit Dioptas und weißem Calcit lieferte, kommt auch ein Gestein, das aus Shattuckit, Quarz, Chrysokoll, Azurit, Malachit, Bornit und weiteren Kupfererzen besteht und als "Shattuckit" vermarktet wird.

Das mittel- bis dunkelblaue Kupfermineral Shattuckit tritt üblicherweise als feinnadelige bis faserige Kristalle in radialstrahligen oder massigen Mineral-Aggregaten als Sekundärmineralisation in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten auf. Mit einer Mohs-Härte von 3½ ist es zu weich für die Schmuckherstellung und es steht in reiner Form auch nicht in ausreichender Quantität zur Verfügung, als dass es als Schmuckstein verwendet werden könnte.

Eingebettet in Quarz und zusammen mit anderen Kupfermineralien wie himmelblauem Chrysokoll und/oder grasgrünem Malachit bildet es jedoch eine Mineralzusammenstellung, die nicht nur optisch sehr ansprechend ist, sondern auch gut polierbare Schmucksteine ergibt.


 

 

Black Galaxy (Bronzit-Gabbro)

Der Name ”Black Galaxy“ für dieses schwarze Gestein mit goldglänzenden Bronzit-Einsprenglingen und bläulich schimmerndem Labradorit-Feldspäten hat sich zuerst im Steinmetzgewerbe etabliert.

Seit es Ende der achziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erstmalig auf den Markt kam, sind für das gleiche Gestein aber auch andere Handelsnamen entstanden, z.B. ”Galaxy Black“, ”Star Galaxy“ oder ”Galaxy Gold“.

Im Mineralienhandel wurde es zunächst  fälschlicherweise für eine Variante von Nuumit gehalten, mit dem es jedoch keine Gemeinsamkeiten hat. Es stammt aus der Provinz Andhra Pradesh in Ost-Indien und ist petrologisch als Bronzit-Gabbro anzusprechen. Das quarzarme, magmatische Gestein enthält viel Plagioklas und Erzmineralen, welche für die fast schwarze Eigenfarbe verantwortlich sind.

Verwendung findet das Material vor allem im Steinmetzbereich für Fensterbänke, Küchenfließen und Bodenbeläge, in zunehmenden Maße aber auch als Trommelstein und im Schmuckbereich.

Bronzit-Gabbro & Nuumit

Immer mehr Gesteine, die bisher nur in der Steinmetzbranche bekannt waren, kommen nun auch in geschliffener
oder getrommelter Form in den Mineralienhandel. Diese Entwicklung ist zweifelsohne eine Bereicherung
für die Liebhaber schöner Gesteine. Leider sind diese Dekor-Gesteine nur selten mit einer mineralogisch/
petrografisch korrekten Bezeichnung versehen. Das ist auch bei einem dunklen, fast schwarzen Gestein
mit kupferfarbenen Einsprenglingen der Fall, welches im Mineralienhandel häufig fälschlicherweise unter
dem Namen »Nuumit« angeboten wird.

Black Galaxy (Bronzit-Gabbro)

Dieses dunkle, fast schwarze Gestein wird seit 1988 in der Nähe des
Dorfes Chimakurthy (bei Ongole) im Bundesstaat Andhra Pradesh in
Indien abgebaut. In 44 Steinbrüchen, die über eine Fläche von über
160 ha verteilt sind, werden jeden Monat rund 20.000 bis 25.000 Kubikmeter
des Dekor-Gesteins gewonnen. Vermarktet wird es unter
der Bezeichnung "Black Galaxy" oder "Star Galaxy". Unter diesen
Namen ist es in der Steinmetzbranche als Dekorgestein bekannt, welches
sich gut zu Küchenfliesen und Arbeitsplatten verarbeiten lässt.
Mineralogisch handelt es sich um einen Gabbro, einem quarzarmen
Magmatit, der im Wesentlichen aus Plagioklas-Feldspat (Labradorit)
und Pyroxenmineralen besteht. Die fast schwarze Eigenfarbe wird
durch die Einlagerung von dunklen Erzmineralen (vor allem Magnetit)
hervorgerufen. Zwischen den Labradorit Kristallen sind rundliche Einsprenglinge
des Pyroxenminerals Bronzit verteilt. Je nach Blickrichtung
leuchten diese Bronzit-Einschlüsse golden oder kupferfarben auf und erzeugen ein interessanten optischen
Effekt.
Aufgrund der spezifischen Mineralzusammensetzung trägt das Gestein die Bezeichnung »Bronzit-Gabbro«.

Nuumit (Amphibolit-Schiefer)

Nuumit ist ein ebenfalls dunkelgraues bis fast schwarzes Gestein, das
seit 1982 an insgesamt acht Fundstellen in der Nähe der Ortschaft
Nuuk im Südwesten Grönlands abgebaut wird. Mit einem Alter von
über 2,8 Milliarden Jahren zählt Nuumit zu den weltweit ältesten im
Handel befindlichen Schmuckgesteinen. Auch in diesem Gestein tritt
ein goldglänzendes Mineral auf, das jedoch im Unterschied zum Bronzit
langgestreckte Kristalle bildet.
Das Dekorgestein stammt aus einem Amphibolit-Schiefer, der linsenförmig
in einen Quarz-Cordierit-Gneis eingebettet ist. Das metamorphe
Gestein, besteht zu mindestens 80% aus einem oder mehreren Mineralen
der Amphibolfamilie. Im Nuumit sind die beiden Amphibolminerale
Anthophyllit und Gedrit in Form feinster Lamellen mit einander verwachsen.
Durch die Reflexion des Lichts an diesen Lamellen und der
Abb. 1: Bronzefarbige Flitter sind das Erkennungsmerkmal
von Bronzit-Gabbro
Photo: Karola Sieber
Abb. 2: Nuumit (Amphibolit-Schiefer) zeigt
stets stängelige, schillernde Garben.
Photo: Karola Sieber
dadurch bedingten Überlagerung der Wellenlängen kommt es zu irisierenden Lichterscheinungen in goldgelben
oder auch bunten Farben. Die Größe der Amphibolkristalle variert von weniger als 1 mm bis zu über 10
cm. Häufige Begleitminerale sind Quarz, Pyrit, Chalkopyrit und Magnetit.

Fazit:
Bronzit-Gabbro und Nuumit besitzen eine dunkle bis fast schwarze Grundfarbe, mit gold- bis kupferglänzenden,
reflektierenden Bereichen. Die mineralogische Zusammensetzung und die Entstehungsweise dieser
Gesteine ist so verschieden, sodass sie auf keinen Fall gleichgesetzt werden dürfen. Auch das Aussehen
der glänzenden Einschlüsse unterscheidet sich bei genauem Hinsehen deutlich, sodass eigentlich keine Verwechslungsgefahr
besteht. Der Grund für die immer wiederkehrende Falschbezeichnung ist wohl darin zu
suchen, dass Nuumit wesentlich seltener und damit teurer ist als Bronzit-Gabbro.
Abb. 3: Bronzit (Mg,Fe)2[SiO3]2 und Anthophyllit (Mg,Fe)7[OH|Si4O11] sind chemisch verschiedene Magnesium-
Eisen-Silikate, die bei der Raman-Analyse unterscheidbare Reflexe erzeugen.

Autor: Bernhard Bruder, © EPI - Institut für Edelsteinprüfung (www.epigem.de)
 

Tiffany Stone (Fluorit-Opal-Jaspis)

Die ersten Funde dieses beigen Gesteins mit violetten Adern, welches in den USA als Tiffany Stone bekannt ist, stammten aus der inzwischen geschlossenen Brush Wellman Beryllium Mine im Juab County im Südwesten Utahs. Nach der Schließung der Mine, war dieser Fundpunkt jedoch nicht mehr zugänglich. Glücklicherweise wurden in der weiteren Umgebung weitere Vorkommen entdeckt, die inzwischen bei amerikanischen Mineraliensammlern unter dem Namen "Spore Mountain Lavender Mines" einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangten. In Deutschland kam das Gestein unter dem Namen "Fluorit-Opal" vor allem als Trommelsteine auf den Markt.

Fluorit-Opal-Jaspis aus einem Trommelsteinsortiment. Die violetten Bereiche bestehen aus feinverteiltem Fluorit, die beigen und braunen Bereiche aus Jaspis und Manganoxiden. Opal ist höchstens in Rissen oder als Imprägnation vorhanden.

Es verdankt seine Entstehung der Aktivität von Vulkanen, die in einem Kalksteingebiet in mehreren Schüben große Mengen von silikatreichen Aschelagen deponierten. Zwischen den zeitlich weit auseinander liegenden Eruptionen bildeten sich quarzreiche Sedimente, die allmählich verfestigt und umgebildet wurden. Fluorhaltige Gase führten zu einer Imprägnation der Ablagerungen mit Fluorit. In einer älteren Periode wurden vor allem Quarz, Quarzit, Jaspis, Achat und Flint entlang des Kontakts zum darunter liegenden Kalkstein gebildet. Mit dem Kalkstein assoziierte Manganerze, wurden mit eingebunden und zeigen sich braune bis schwarze, oft metallisch glänzende Adern im Gestein.

In einer späteren Periode entstanden opalreiche Konkretionen (Opalith), die sich entweder in der noch weichen vulkanischen Asche oder zwischen dem alten Kalksteinhorizont und der weicher Asche bildeten. Diese bewegte Entstehungsgeschichte führte letztendlich zu dem interessant gemusterten Gestein, welches aus verschiedenen Quarzmodifikationen (Opalith, Jaspis, Achat, Flint), Fluorit und Manganerzen zusammengesetzt ist.

"Fluorit Opal" im eigentlichen Sinne ist ein Opalith, der mit intensiv violettem Fluorit imprägniert ist. Bei diesen Qualitäten ist der Name "Fluorit-Opal" völlig richtig.

Wegen seiner starken Sprödigkeit kann dieses Material jedoch nicht als Trommelstein verarbeitet werden. Stattdessen wird ein mit Fluorit imprägniertes Gemenge aus Jaspis und Feinquarz verarbeitet, das an den gleichen Fundorten vorkommt. Durch den hohen Gehalt an Jaspis ist das Material weniger brüchig und härter als Opalith und deshalb für Trommelsteine geeignet. Hier ist der Name "Fluorit-Opal" jedoch irreführend, weil der Hauptanteil der Steine weder aus Fluorit noch Opal besteht, sondern aus Jaspis.

Undurchsichtige, beigefarbene Trommelsteine mit ganz wenigen oder gar fehlenden violetten Anteilen bestehen überwiegend aus Jaspis und sollten auch als Jaspis bezeichnet werden und nicht als (Fluorit-) Opal.

 

Ozeanchalcedon - Ein Name mit Geschichte

Ozeanchalcedon trägt seinen Namen zu Recht. Er ist in Meeressedimenten entstanden und wurde an der Meeresküste abgebaut (Foto: J. Sahlmann)

 

Radialstrahlige Chalcedon-Aggregate können sich auch zu achatartigen Strukturen verbinden. (Foto: EPI-Archiv)

Ozeanchalcedon ist in Europa erst seit wenigen Jahren bekannt. Das oft auffällig bunte Gestein stammt von der Nordwestküste Madagaskars aus dem Mahajanga-Becken, welches in der Kreidezeit (vor 65 - 130 Mio. Jahren) noch ein flaches Meeresbecken war. Vor ca. 100 Mio. Jahren kam es zu einer tektonischen Hebung des Gebietes und zu vulkanischen Aktivitäten, in deren Verlauf quarzreiche, hydrothermale Flüssigkeiten in die Kalk- und Tonsedimente eindrangen und Schichten und Gänge von Chalcedon bildeten.

Die primären Vorkommen nahe der Küste sind inzwischen weitgehend abgebaut. Ersatzmaterial aus der weiteren Umgebung zeigt meist nicht die typischen Merkmale von Ozeanchalcedon, sondern hat mehr Anteile an Jaspis und Nebengestein.

Die Handelsnamen für diese Chalcedon Varietät haben sich in der Vergangenheit immer wieder geändert und wurden mit zunehmendem Kenntnisstand immer präziser.

Ursprünglich wurde das Material vom Produzenten als "Oceanjasper", also als "Ozeanjaspis" angeboten. Dieser Name ist im englischsprachigen Raum auch immer noch gebräuchlich. Da neue und unbekannte Steine nicht selten fälschlicherweise als "Jaspis" bezeichnet werden, hat sich ein großer deutscher Importeur das Material genauer angeschaut und erkannt, dass es sich höchstens partiell um Jaspis handeln könne. Deutlich waren hingegen achatartige Strukturen zu erkennen, weshalb er beschloss, das Material als "Ozeanachat" anzubieten. Diese Namensgebung beruhte also auf einer makroskopischen Inaugenscheinnahme des Materials.

Einige Zeit später wurde das Gestein von Dr. W. Lieber aus Heidelberg mit Hilfe von Gesteinsdünnschliffen mikroskopisch untersucht. Er fand heraus, dass es sich bei dem Material um Chalcedon handelt, der partiell in radialstrahligen, kugeligen Strukturen auskristallisiert ist. Da solche kugeligen Strukturen in der Mineralogie "Sphärolithe" genannt werden, bezeichnete er das Material als "sphärolithischen Chalcedon".

Das varietätstypische Merkmal von Ozeanchalcedon sind die runden Strukturen, die Sphärolithe. Wenn sie fehlen, kann niemand einen Ozeanchalcedon als solchen erkennen. (Foto: K. Sieber)

 

 

Diese runden oder radialstrahligen Strukturen, die oft in eine lebhaft strukturierte Matrix eingebettet sind, stellen das varietätstypische Merkmal dieser Art von Chalcedon dar.

Nachdem die mineralogische Zusammensetzung geklärt war, wurde der Handelsname "Ozeanchalcedon" immer populärer. Aber auch der Name "Ozeanachat" ist nicht ganz von der Hand zu weisen, da zwischen den sphärolithischen Strukturen immer wieder Bereiche auftreten, die eine Art Achatbänderung zeigen. Der Handelsname "Ozeanjaspis" sollte jedoch vermieden werden, denn mit Jaspis hat dieser Schmuckstein wenig gemeinsam. Die genaueste Art, dieses Material zu bezeichnen ist: "Ozeanchalcedon (Ozeanachat)".

Die Zukunft wird zeigen, welcher Name sich letztendlich durchsetzen wird. Unverzichtbar für die Ansprache als Ozeanchalcedon (Ozeansachat) sind jedoch die varietätstypischen sphärolithischen Strukturen, die immer und auf jeden Fall vorhanden sein müssen. Dieses wichtige Kriterium erfüllt das Material, das in letzter Zeit aus Madagaskar kommt, zunehmend weniger. Hier ist ein kritisches Auge gefragt: Nur da wo Sphärolithe drin sind, sollte Ozeanchalcedon draufstehen.


 

Nebulastone und Kabamba-Stein - Varietäten von Eldarit

Seit einigen Jahren werden in Deutschland unter dem Namen Eldarit zwei Gesteine angeboten, die sich optisch deutlich unterscheiden. Die erste Variante kommt aus Mexiko und besteht aus einem (fast) schwarzen Gestein mit grünen Punkten und Kreisen (A). Da sich manche Menschen beim Anblick dieses Gesteines an Galaxien oder Sternnebel im Weltall erinnert fühlten, erhilt es in den USA den Handelsnamen "Nebula-Stone".

Dünnschliff- und Mikrosondenanalysen zeigten, dass das Gestein aus einer dunklen Matrix aus Quarz und Alkalifeldspat (Anorthoklas) besteht. Darin eingebettet finden sich radialstrahlig angeordnete, hellgrüne Amphibol-Aggregate (Riebeckit bis Arfvedsonit) die von feinkörnigen Pyroxenen (Aegirin) ummantelt sind. Die Entstehung ist noch nicht völlig geklärt, aber wahrscheinlich handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, das durch eine schwache Metamorphose überprägt wurde. Eldarit in der beschriebenen Ausbildung wird den USA häufig, in Deutschland nur sehr selten gehandelt.

In Deutschland bekommt man unter diesem Namen fast immer ein Gestein angeboten, dessen Farbverteilung genau umgekehrt ist wie beim mexikanischen Eldarit. Dieses Gestein kommt aus Madagaskar und wird auch als Kabamba- (Synonyme: Kambamb-a oder Kambaba-) -"Jaspis" bezeichnet (B). Die von verschiedenen Firmen in Madagaskar und den USA vertretene Meinung, er bestehe aus fossilen Stromatolithen Algen, ist definitiv falsch.

Dünnschliff- und Röntgendiffraktionsanalysen des EPI-Instituts haben ergeben, dass es sich keinesfalls um eine Art von Jaspis, sondern um ein vulkanisches Gestein handelt. In der grünen Grundmasse aus Quarz, Pyroxen (Aegirin), sowie Natron- und Kalifeldspäten sind kreisförmig bis schlierig verteilte schwarze Aggregate aus winzigsten Amphibol- Nädelchen (Riebeckit bis Pargasit) eingebettet.

Im Mineralbestand sind sich die beiden Gesteine demnach sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich vor allem in der Menge der einzelnen Mineralien, ihrer Verteilung und eventuell auch der Art des Ausgangsgesteins. Aus mineralogischer Sicht sind beide Gesteine jedoch so ähnlich, dass die Handelsnamen Eldarit und Kabamba als gleichwertige Synonyme akzeptiert werden können. Da in keiner der untersuchten Proben Jaspis nachgewiesen werden konnte, sollte der Ausdruck "Kabamba-Jaspis" jedoch unbedingt vermieden und durch den Begriff "Kabamba-Stein" ersetzt werden.

 

Abbau von Jadeit in Myanmar (Burma) vorläufig eingestellt.

19. Juli 2012


Wegen zahlreicher Guerilla Anschläge durch die Kachin Independence Army (KIA) hat die Regierung in Myanmar (Burma) den Abbau von Jadeit durch private Unternehmen in der Region Pha-Kant im nordöstlichsten Bundesstaat Kachin vorläufig eingestellt.

Die KIA ist eine Rebellengruppe der nach Autonomie strebenden ethnische Minderheit der Kachin. Regierungsangaben zufolge wurden die rund 400 privaten Minengesellschaften, die in der Pha-Kant Region mit dem Abbau von Jadeit beschäftigt sind, immer wieder dazu gezwungen, große Geldsummen an die KIA zu bezahlen.

Zu Beginn dieses Jahres verübte die Rebellenorganisation eine Reihe von Anschlägen auf Personenzüge, Schienen und Brücken der Myikyina Mandalay Eisenbahnlinie und legte durch die Sprengung mehrerer Strommasten  das nationale Stromnetz der im Grenzgebiet zu China gelegenen Stadt Namkham lahm.

Nach Angaben örtlicher Medien, kehrten nach dem Stop der privaten Bergbauaktivitäten die meisten der  rund 2000 in der Pha-Kant Region beschäftigten Minenarbeiter in ihre Heimatorte zurück. Eine für August angekündigte Edelsteinauktion wurde abgesagt. Die letzte Auktion fand im Juli 2011 statt und erbrachte nach offiziellen Angaben einen Gesamterlös von 1,5 Milliarden US-Dollar. Über 5.000 Edelsteinhändler aus China, Japan, Thailand und Korea hatten daran teilgenommen. In den Jahren 2010 bis 2011 produzierte Myanmar 46.810 Tonnen Jadeit und 12,9 Millionen Karat Edelsteine, wie Rubin, Saphir, Spinell und Peridot.

 

Wie kann ich mich vor Fälschungen schützen?

30. Mai 2011

Vor dem Kauf eines Edelsteins

Rechtzeitiges Informieren vor dem Kauf eines Edelsteins verhindert Irreführungen und Missverständnisse. Besonders wichtig sind Informationen über die verschiedenen Namen eines Steins, über sein Aussehen, sowie über die möglichen Fälschungs- und Verwechslungsgefahren.

Hier kann Ihnen das Buch Geschönte Steine eine ideale Hilfe sein, weil es in einfacher und kompetenter Sprache über die häufigsten Imitationen und künstlichen Veränderungen an Edel- und Schmucksteinen aufklärt.

Beim Kauf eines Edelsteins

Durch die richtigen Fragen zeigt man Fachkenntnis. Generell sollten zwei Fragen gestellt werden:

  • Ist der Stein natürlich?
  • Ist der Stein unbehandelt?

Beide Faktoren auf der Rechnung oder Quittung bestätigten lassen!

Nach dem Kauf eines Edelsteins

Mit etwas Übung und den richtigen Hilfsmitteln lassen sich viele Verwechslungen und Fälschungen selbst identifizieren.

Wenden sie sich in Zweifelsfall ohne Scheu an ein Prüfinstitut, und lassen Sie den jeweiligen Stein gemmologisch untersuchen (Prüfkosten: ca. 20,- EUR). Sollte sich der erworbene Edelstein als gefälscht erweisen, ist der Händler zum Austausch oder Rücknahme des Steins und der Erstattung des Kaufpreises verpflichtet.

Darüber hinaus kann als Regress auch die Erstattung der Prüfkosten gefordert werden. Denn: Irreführende oder unvollständige Deklarationen gelten als unlauterer Wettbewerb.
 

Handelsbeschränkungen bei Edelkorallen - ein Statusbericht

11. Januar 2010



Edelkorallen
(Corallium nobile) sind in der ganzen Welt in tropischen, subtropischen und gemäßigten Ozeanen in einer Tiefe von 7 bis 1.500 m heimisch Die bekannten Populationen von Edelkorallen, die groß genug sind, um eine kommerzielle Ernte zu ermöglichen, befinden sich alle nördlich des 19º Breitengrades Nord. Darunter sind sieben Arten, die im westlichen Pazifik geerntet werden und eine, die im Mittelmeer gesammelt wird. In der südlichen Hemisphäre haben alle Corallium-Arten eine sehr geringe Verbreitung.

Kommerzielle Verwertung

Edelkorallen werden nachweislich seit über 5000 Jahren gesammelt. Pro Jahr werden international Millionen von Stücke und Tausende von Kilogramm als Schmuck gehandelt.

Die weltweit kommerziell verfügbaren Erträge von Edel-Korallen (aller Arten) erreichte im Jahr 1984 mit 450 Tonnen (MT) seinen Höhepunkt. Die internationale Nachfrage führte jedoch zu einer kontinuierlichen Verarmung von Corallium Beständen, da neu entdeckte Korallenstöcke rasch abgebaut wurden. Bis zum Jahr 1990 war das Abbauvolumen auf 40 Tonnen zurückgegangen. In den letzten 15 Jahren schwankten die gewonnene Mengen zwischen 28 und 54 Tonnen. Neue Technologien in der Herstellung von Schmuck, z.B. Zusammenfügen von kleineren, bisher nicht nutzbaren Korallen-Stückchen zu größeren Stücken mittels Kunstharz ("rekonstruierte Koralle"), hat zu neuen, oft illegalen Wegen der Nutzbarmachung von bisher unrentablen Fundgebieten geführt, bis hin zur Entfernung von ganzen Korallenbeständen eines Gebietes.

 

Ihre sessile (angewachsene) Wuchsform, lange Wachstumsraten, relativ späte Fortpflanzungsreife und Reproduktionsfähigkeit, die mit zunehmender Größe (Alter) zunimmt, eine lange Lebensspanne und begrenzte potenzielle Verbreitungsgebiete sind die Hauptmerkmale, die alle Korallenarten anfällig für übermäßigen Abbau machen. Korallenbänke sind einzelne, genetisch isolierte Einheiten, die nur in eng beschränkten Tiefsee-Lebensräumen vorkommen.

Durch die kommerzielle Ernte hat die genetische Vielfalt innerhalb und zwischen den Populationen von Corallium stetig abgenommen. Die Dichte der Kolonien wurde reduziert und in Bezug auf Größe und Altersstruktur zu Populationen hin verschoben, in denen kleine, unreifen Kolonien dominieren. Darüber hinaus führt der Einsatz von Grundschleppnetzen und Baggern zur Zerstörung von bodennahen Strukturen und zur Entfernung aller in der Bodenzone vorkommenden Lebewesen. Die Folge sind weitreichende Schäden am Ökosystem der Korallen.

Die Situation im Mittelmeerraum

Im westlichen Mittelmeer wurde innerhalb von 20 Jahren eine durch die dort lebenden Korallen dreidimensionale, waldartige Meeresbodenoberfläche, auf eine zweidimensionale, "Grasebenen“artige, öde Topographie mit einer sehr geringen Artenvielfalt reduziert. (Garcia-Rodriguez und Massò, 1986; Tsounis et al., 2006).
Im gesamten Mittelmeerraum, haben die Populationen der Mittelmeerkoralle (Corallium rubrum) in den letzten 20 Jahren einen dramatischen Rückgang in ihrer Größe, Altersstruktur und Reproduktionsleistung gezeigt. Die einzigen noch verbliebenen, kommerziell verwertbaren Bänke liegen derzeit entlang der afrikanischen Küste von Marokko bis Tunesien, in der Bonifacio Meerenge vor West Sardinien und entlang der spanischen Küsten. Den meisten Flachwasser-Populationen fehlen die großen Kolonien und sie zeigen einem generellen Übergang zu nicht-reproduktiven Kolonien. Ihre Größe liegt meist unter der Mindestgröße für den legalen kommerziellen Abbau, dessen Mittelwert jetzt bei 3 cm liegt (Liverino, 1989; Garrabou und Harmelin, 2002).

In Spanien liegen in Gebieten, die für kommerziellen Fischfang genutzt werden 89% der Kolonien unterhalb der legalen Erntegröße, 96% zeigen nur rudimentäre Verzweigungsstrukturen (nur primäre und sekundäre Zweige) und 91% sind weniger als 5 cm hoch. Zwischen 1986 und 2003 ging der mittlere Durchmesser der Basis der Kolonien von 7,2 mm auf 4,8 mm zurück und die mittlere Höhe verringerte sich von 61,8 mm auf 27 mm. Selbst in seit über 14 Jahren existierenden Fischereischutzzonen wurden selten Kolonien gefunden, die größer waren als 20 cm. (Tsounis et al. 2006).

Die derzeitige Praxis, im Mittelmeer Korallen mit einem basalen Mindestdurchmesser von 7 mm zu ernten, führt zu Kolonien die durchschnittlich nur 11 Jahre alt sind. Bei einer Korallenbank, die zuletzt 1977 abgeerntet wurde, hatten die größten Kolonien 23 Jahre später noch immer keine handelsübliche Größe erreicht (Garrabou und Harmelin, 2002).

Diese Zahlen belegen die enormen Schäden, den die kommerzielle Entnahme von Korallen aus Flachwasserregionen verursacht hat.
In den 1950er Jahren traten die Populationen von Corallium rubrum im Mittelmeer vor Kalabrien, Neapel, Sardinien, Korsika und Teilen der französischen und spanischen Meeresküste noch als bedeutende Korallenbänke auf. Heute sind die meisten überfischt und wirtschaftlich nicht mehr nutzbar. Eine Korallenbank östlich der Graham Bank vor Sizilien und drei Bänke vor der Küste von Sciacca (Straße von Sizilien), die zwischen 1875 und 1880 entdeckt wurden und bis 1915 abgeerntet wurden sind heute komplett ausgerottet (Liverno, 1984; Geronimo et al., 1993).

Nationale Schutzprogramme

Die spanische Regierung hat bereits in den 1970er Jahren kleine Schutzgebiete für Corallium rubrum im Mittelmeer ausgewiesen. Im Jahr 2006 hat das spanische Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung die längst überfällige Verwendung von Grund- und Schleppnetzen bis in eine Tiefe von 50 m untersagt.
In der Europäischen Union (EU) ist Corallium rubrum im Anhang V der europäischen Habitat Richtlinie aufgeführt. Im Jahr 1994 verbot die Europäische Union die Verwendung von Baggervorrichtungen für die Ernte von Korallen im Mittelmeer (Verordnung Nr. 1626/94; Rat der Europäischen Union, 1994).
Bewirtschaftungsmaßnahmen die in den US-Gewässern rund um Hawaii und in Teilen des Mittelmeerraums für die Corallium Fischerei festgelegt wurden, beinhalten das Ausweisen von Schutzzonen, Entnahmequoten, Lizenzierung und Einschränkungen für nichtselektive Fanggeräte.

Diese Maßnahmen fehlen in anderen Standorten, einschließlich den internationalen Gewässern. Weltweit gibt es noch keinen vollständigen Schutz aller Corallium Arten.

Fazit

Mit dem internationalen Schutz von 4 Corallium Arten ist ein erster Anfang gemacht, um Edelkorallen aus dem westlichen Pazifik vor dem Aussterben zu bewahren. Die gleichen Schutzmaßnahmen für die Mittelmeerkoralle (Corallium rubrum) sind längst überfällig. Die verbliebenen wirtschaftlich nutzbaren Vorkommen der Mittelmeerkoralle liegen heute alle außerhalb der EU und sind nur durch einen weltweit wirksamen Schutz vor der totalen Zerstörung zu retten.

 

 


Baby-Bernsteinketten müssen DIN-Norm erfüllen

06. Dezember 2009

Das Gewerbeaufsichtsamt München, das für die Marktüberwachung nach dem GPSG (Geräte- und Produktsicherheitsgesetz) zuständig ist, hat darüber informiert, dass zwischenzeitlich explizite Anforderungen für das Inverkehrbringen von so genannten Baby-Bernsteinketten festgelegt wurden. Unabhängig davon, ob die Baby-Bernsteinketten vom Hersteller als Verbraucherprodukt oder als Spielzeug eingestuft wird, ist die DIN EN 71-1:2005 + A9:2009 (siehe § 4 Absatz 2 Nr.4 GPSG) anzuwenden, da die Ketten speziell für Kinder unter 3 Jahren (zahnende Kinder) vorgesehen sind.

Da insbesondere die Gefährdung des Strangulierens und das Risiko des Verschluckens von Kleinteilen als hoch einzuschätzen sind, wurden folgende Kriterien für das Inverkehrbringen von Baby-Bernsteinketten festgelegt:

1. Am Verschluss ist eine Sollbruchstelle anzubringen, an der sich die Kette bei einer Kraft von < 25 N öffnet, ohne dass verschluckbare Kleinteile entstehen.
2. Die offene Kette muss einer Zugkraft von min. 90 N (± 2 N) standhalten, so dass keinerlei verschluckbare Kleinteile entstehen können (Ziffer 8.4.2 DIN EN 71-1:2005).


Die Einhaltung der genannten Maßgaben wird von Beamten der Gewerbeaufsichtsämter überwacht. Bei Nichtbeachtung der dargestellten technischen Anforderungen wird der Vertrieb nichtkonformer Produkte unmittelbar vor Ort per behördlicher Anordnung und ggf. kostenpflichtig untersagt werden.

Fazit:

”Baby“- oder ”Zahn“-Bernsteinketten sollten nur dann unter dieser Bezeichnung angeboten werden, wenn sie den angegebenen DIN-Normen entsprechen. Ansonsten sollten die Kettchen nur als ”Bernsteinkette“ angeboten werden und auch die Beschreibung oder Werbung für solche Kettchen sollte keinerlei Hinweise zur Verwendbarkeit bei Kleinkindern enthalten.

 

Werbung mit dem Begriff "Heilstein" ist irreführend

16. November 2009

"Hilft bei Bluthochdruck, lindert Kopfschmerzen und fördert den Kreislauf". Mit diesen Worten warb eine Händlerin für die von ihr im Internet angebotenen "Heilsteine". Hiergegen klagte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V., die die Auffassung vertrat, dass es irreführend sei, bestimmten Steinen heilende Wirkung beizumessen, ohne auf einen bislang fehlenden wissenschaftlichen Nachweis bestimmter Heilwirkungen hinzuweisen. Der Rechtsstreit wurde vom Hamburger LG in einem Urteil vom 21.08.2008 (Az. 327 O 204/08) zugunsten der Klägerin entschieden.

Durch eine teilweise Klagerücknahme seitens der Klägerin wurde das zunächst angestrebte allgemeine Verbot der Verwendung des Begriffs "Heilsteine" auf die konkrete Verwendung des Begriffs im Kontext mit der Werbung für krankheitsbezogene Wirkungen der angebotenen Steine beschränkt.


Nach Ansicht des LG sei es gem. §§ 3, 4 Nr. 11, 5 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) und gem. §§ 1 I Nr. 2, 3 S. 2 Nr. 1 HWG (Heilmittelwerbegesetz) irreführend, mit krankheitslindernder und/oder krankheitsheilender Wirkung zu werben. Insbesondere sei es verboten, für krankheitsbezogen beworbene Mittel und Gegenstände in der Weise zu werben, dass der Käufer therapeutische Wirkungen erwartet, denen das Mittel in Wahrheit nicht gerecht wird oder deren Wirkung nicht hinreichend gesichert ist. Dabei könnte selbst ein entsprechender Hinweis auf den fehlenden wissenschaftlichen Nachweis für die krankheitsbezogene Wirkung der Steine eine bei der Werbung mit "Heilsteinen" auftauchende Irreführungsgefahr nicht ausräumen.

In einem früheren Urteil des LG Gießen (Az. 6 O 43/07) sind an eine wissenschaftliche Absicherung der Heilwirkung hohe Anforderungen zu stellen. Die Werbeangaben müssen - so die Richter - gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen, die durch klinisch pharmakologische Untersuchungen mit klinischen Tests und klinische Erprobung gewonnen wurden. Dabei ist es Aufgabe des Werbenden, diese wissenschaftliche Absicherung glaubhaft zu machen, so dass dieser im Prozess die Beweislast trägt. Ist die gesundheitsfördernde Wirkung allerdings umstritten - wie es auch bei Heilsteinen der Fall ist - so verbietet sich nach Ansicht des Gerichts eine derartige Werbung.   

Nach Ansicht des LG Hamburg ist es dabei gleichgültig ist, ob mit konkreten Wirkungen der Steine geworben oder den Steinen in allgemeiner Weise heilende Wirkung zugesprochen wird, wie z.B. durch die Verwendung des Begriffs "Heilstein". Denn nach Ansicht des Gerichts stellt die Bezeichnung "Heilsteine" im Kontext mit der Werbung für die angeblich krankheitslindernde Wirkung von Steinen eine unzulässige Werbeangabe i.S.d UWG und HWG dar.

Fazit

Das LG Hamburg vertritt die Auffassung, dass die Anpreisung von Steinen in der Werbung als “Heilsteine” bzw. als Steine mit heilender Wirkung wettbewerbswidrig ist, da es bisher kein durch klinisch pharmakologische Untersuchungen gesicherter wissenschaftlicher Nachweis gibt, der eine tatsächlich vorliegende Heilwirkung belegen kann.

Die allgemeine Verwendung des Begriffs ”Heilsteine“, die nicht im Zusammenhang mit der Anpreisung von Steinen oder entsprechenden Werbeaussagen steht, ist von diesem Urteilsspruch jedoch nicht betroffen.

 

Abmahnungswelle wegen der Bezeichnung "Himalaya-Salz"

25. Juni 2009

Zurzeit verschickt der Verein gegen Unwesen im Handel und Gewerbe Köln e.V. Abmahnungen an viele Händler, welche den Begriff "Himalaya-Salz" verwenden. Wir haben schon von etlichen Lieferanten gehört, welche eine kostenpflichtige Abmahnung erhalten haben.

Der Hintergrund:

Durch das Buch "WASSER & SALZ - Urquell des Lebens" von Barbara Hendel & Peter Ferreira entstand im Jahr 2000 eine große Nachfrage nach Steinsalz, welches in genanntem Buch als "Himalaya-Salz" angepriesen wurde (Buchbesprechung). Obwohl dieses Buch genau betrachtet nur ein umfangreicher und aufwändig gestalteter Werbeprospekt war,

mit abstrusen Theorien über die Entstehung und den Elementgehalt dieses "speziellen" Salzes, so sprach es bei den Konsumenten doch ein Bedürfnis nach einem besonders natürlichen und "reinen" Produkt an, das bis heute anhält.

 

Bereits im Jahr 2002/2003 geriet das "Himalaya-Salz" in den Fokus der Verbraucherschützer. Bei unabhängigen Elementanalysen, unter anderem des EPI-Instituts und der Stiftung Warentest, stellte sich heraus, dass maximal 10 der von Ferreira beschworenen 86 Elemente, die angeblich im Himalaya-Salz enthalten sein sollen, wirklich nachweisbar waren. Mittlerweile ist es Anbietern von Himalaya-Salz ausdrücklich untersagt, mit den 86 Elementen zu werben.

Im Jahr 2009 geriet das Himalaya-Salz erneut ins Blickfeld eines Abmahnvereins, diesmal wegen der Herkunftsbezeichnung "Himalaya". Ferreira gab in seinem Buch, das über 140.000 mal verkauft wurde, noch das Karakorum-Gebirge, einem bis zu 8611 m hohen Gebirgszug in Kashmir, als Herkunft des Himalaya-Salzes an. Inzwischen ist unbestritten, dass das "Himalaya-Salz" nicht aus der Hochgebirgsregion der Himalaya stammt, sondern aus der Salt Range in der pakistanischen Provinz Punjap. Die strittige Frage, ob die Lagerstätten dieses Salzes ein eigenständiger Gebirgszug bilden oder zu den Himalaya hinzurechnen sind, dürfen nun die Gerichte klären.

Derzeit gibt es keinen endgültigen, geklärten Status zur Bezeichnung "Himalaya-Salz". Es sind mehrere Klagen anhängig, auch Feststellungsklagen gegen zwei Abmahnvereine zur Unterlassung der Abmahnungen. Einige Verfahren sind zweitinstanzlich anhängig bei Oberlandesgerichten, wobei erstinstanzlich uneinheitlich entschieden wurde.

Inwieweit eine Werbung mit Gipfeln von Himalaya-Bergen und der (unterschwelligen) Behauptung der ganz besonderen Reinheit und "Energie" dieses salzes nicht trotz rechtlich ungeklärter Herkunftsbezeichnung wettbewerbswidrig sein können, ist noch nicht entschieden. In jedem Fall wettbewerbswidrig sind Heilaussagen zum Salz sowie Nennung nicht beweisbarer Eigenschaften wie "nur dieses Salz enthält so und so viele Elemente" oder "wird in großer Höhe im Himalaya von Hand abgebaut" etc. diese Dinge sind zweifellos falsch, mithin auch als Werbeaussagen wettbewerbswidrig.

Aufgrund der unklaren Rechtslage ist zu empfehlen, auf Werbung im Zusammenhang mit der Herkunft des Salzes, insbesondere wenn damit eine Alleinstellung begründet werden soll, zu verzichten.  Gehen Sie auf Nummer sicher und ändern Sie Ihre Werbung/Prospektmaterial etc. dahingehend, dass der Begriff "Himalaya-Salz" oder ähnliche Bezeichnungen, die einen Zusammenhang von "Himalaya" und "Salz" herstellen nicht mehr vorkommt. Ersetzen Sie ihn durch Begriffe wie "Pakistan-Steinsalz" oder "Steinsalz (Pakistan)".

Überprüfen Sie auch die Herkunftsangaben Ihrer anderen Steine. Diese müssen der Wahrheit entsprechen. Beachten Sie in diesem Zusammenhang besonders die europäischen Embargo Vorschriften für Steine aus Burma, vor allem Burma-Rubine und Burma-Jade.

 

USA beschließt Importverbot für Edelsteine aus Burma

14. Oktober 2008

Eigentlich besteht in den USA schon seit langem ein Importverbot für alle Waren aus Burma. Edelsteine aus dem asiatischen Land fanden bisher jedoch regelmäßig über edelsteinverarbeitende Drittländer wie Indien, Thailand und China ihren Weg in die USA. Mit der Unterzeichnung des "Burmese JADE Act" am 29. Juli 2008 hat Präsident Bush die US-Sanktionen gegen die burmesische Militärjunta nun deutlich verschärft. Auch über Drittländer dürfen burmesische Edelsteine nun nicht mehr auf den US-Markt gebracht werden. Durch diese Maßnahme sollen der Militärjunta in Burma Hochrechnungen zufolge jährlich mehrere hundert Millionen Dollar verloren gehen.


Interessanterweise geht die Verschärfung der US-Sanktionen auf eine Initiative der amerikanischen Edelsteinproduzenten zurück. Ihr Verband "Jewelers of America" richtete im Oktober 2007 die bis dahin beispiellose Forderung an den US-Kongress, Edelsteine aus Burma vollkommen zu verbieten. Gleichzeitig wurden die 11.000 Mitglieder dazu aufgefordert, den Kauf dieser Edelsteine einzustellen, bis in Burma demokratische Reformen auf den Weg gebracht werden. Andere Verbände in Kanada und den USA und auch internationale Juwelierverbände haben ähnliche Forderungen unterstützt.

Einige Juwelenhändler, namentlich Tiffany & Co. und Leber Jewelers, weigern sich schon seit längerem, mit Edelsteinen burmesischen Ursprungs zu handeln. Als Reaktion auf die blutigen Niederschlagungen in Burma im August 2007 haben sich auch mehrere Juwelierunternehmen aus Europa - unter ihnen Bulgari und Cartier - dafür ausgesprochen, Edelsteine aus Burma zu boykottieren.

Nach Angaben der thailändischen Zeitung Bangkok Post sind Händler, die Edelsteine in die USA importieren wollen, durch das neue Gesetz dazu verpflichtet, umfangreiche Dokumentationen über die Herkunft der Steine vorzulegen. Nach unserer Einschätzung ist diese Nachweispflicht jedoch höchstens bei Jadeit-Jade praktikabel. Bei Rubinen wird die beliebte Herkunftsangabe "Burma" wohl über kurz oder lang verschwinden. Auch alle anderen Edelsteine und Mineralien aus Burma werden wahrscheinlich weiterhin international gehandelt werden - natürlich ohne Herkunftsangabe. Unklar ist auch noch, ob sich die Maßnahmen nur auf Fertigwaren, also komplette Schmuckstücke beziehen oder - ähnlich wie in der EU - auch ungefasste und ungeschliffene Steine mit einbezieht.

Die EU-Außenminister haben sich bereits im Oktober 2007 darauf geeinigt, den Handel mit Edelsteinen und Mineralien aus Burma zu verbieten. Zu den beschlossenen EU-Sanktionen zählen ein Exportverbot für Ausrüstung für den Abbau von Metallen, Mineralien und Edelsteinen, ein Importverbot für Produkte der zuvor genannten Sektoren sowie ein Investitionsverbot in diesen Sektoren. Die EU Bestimmungen gelten bisher jedoch nur für Direktimporte. Importe aus Drittländern sind bisher nicht davon betroffen. Es dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein bis Europa nachzieht und die neuen US-Regelungen übernimmt.

 

Wo "Alabaster" draufsteht, muss auch "Alabaster" drin sein

01. März 2005



In einem aktuellen Urteil hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden, dass die Werbung eines Möbelhauses aus dem Ruhrgebiet für Lampen aus Glas mit der Bezeichnung "Alabasterglas" wettbewerbswidrig ist, da die angebotenen Lampen tatsächlich nicht aus Alabaster waren. Der Wettbewerbssenat des Oberlandesgerichts hat damit in zweiter Instanz einer Klage eines Händlers aus Berlin, der insbesondere Gegenstände aus Alabaster vertreibt, stattgegeben: Das Möbelhaus hat die beanstandete Werbemaßnahme zukünftig zu unterlassen; zudem ist es verpflichtet, dem Kläger den - noch nicht bezifferten - Schaden, der ihm durch die Werbemaßnahme entstanden ist, zu ersetzen.


Zur Begründung seiner Entscheidung hat der Senat ausgeführt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Verbraucher die Bezeichnung "Alabasterglas" in dem Sinne verstehe, dass zumindest etwas Alabaster dem Glas der Lampen beigefügt sei. Dem Verbraucher sei bekannt, dass es sich bei Alabaster um ein bestimmtes höherwertiges Material handele. Werde eine solche Materialbezeichnung einem weiteren Begriff (Glas) hinzugefügt, gehe der Verbraucher davon aus, dass hierdurch die Materialbeschaffenheit des so bezeichneten Gegenstandes angegeben werden soll.
Das Oberlandesgericht hat damit eine abweichende Entscheidung des Landgerichts Essen vom 25.03.2004 abgeändert.
Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 09.12.2004, Aktenzeichen: 4 U 117/04

 

Quelle: Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Hamm vom 10.02.2005
 

Bundesgerichtshof: Widerrufsrecht gilt auch bei eBay-Auktionen

18. November 2004

Auch bei eBay-Auktionen steht Käufern ein Widerrufsrecht zu. Dies hat der Bundesgerichtshof in einem mit Spannung erwarteten Urteil entschieden. Der BGH hat wie schon in einer früheren Entscheidung, geurteilt, dass es sich bei den Auktionen von eBay nicht um eine Versteigerung im Sinne des BGB handelt, weswegen Verbrauchern gegenüber gewerblichen Verkäufern ein gesetzliches Widerrufsrecht zusteht.

Der Fall:
Der Kläger, der gewerblich mit Gold- und Silberschmuckstücken handelt, stellte auf der Internetseite der Firma eBay International AG ein "15,00 ct. Diamanten-Armband ab 1,- EUR" zur Versteigerung ein. Der Beklagte, ein Verbraucher, gab innerhalb der Laufzeit der Auktion das höchste Gebot ab. Der Käufer verweigerte jedoch die Zahlung und Annahme des Schmuckstücks, weil das Armband nur eine dünne Goldauflage hatte und die Diamanten aus industrieller Fertigung stammten. Der Händler, der auf die Beschaffenheit des Armbands auf einer anderen Website hingewiesen hatte, klagte auf Zahlung, weil es bei Versteigerungen kein gesetzliches Widerrufsrecht gebe. Der Käufer vertrat die Auffassung, dass Auktionen im Internet keine echten Versteigerungen seien. Interessenten hätten nicht die Möglichkeit, angebotene Artikel etwa anzuschauen und die Seriosität des Angebots zu überprüfen. Außerdem erfolge auf das Gebot des Käufers kein Zuschlag, was aber nach § 156 BGB eine Versteigerung ausmache. Deshalb könne er sein ihm gesetzlich zustehenden Widerrufsrecht nutzen. Die auf Zahlung des Kaufpreises gerichtete Klage des Händlers war in den Vorinstanzen erfolglos.

Das Problem:
Bei Verträgen, die über Fernkommunikationsmittel wie Internet oder Telefon geschlossen werden, steht Verbrauchern grundsätzlich ein Widerrufsrecht zu (§ 312d Abs.1 Satz 1 BGB). Ausgeschlossen von diesem Widerrufsrecht sind aber nach § 312d Abs. 4 Nr.5 BGB Verträge, die in Form einer Versteigerung geschlossen werden. Sieht man nun Verträge, die über Online-Auktionsportale geschlossen werden, als Versteigerungen i.S.v. § 156 BGB an, so stünde den Verbrauchern kein Widerrufsrecht zu. Bisher war die Mehrzahl der Gerichte jedoch der Meinung, dass es sich bei Internet-Auktionen nicht um echte Versteigerungen handelt, sondern je nach der konkreten Ausgestaltung um einen regulären Kauf- oder Dienstleistungsvertrag bzw. um Verträge, die gegen Höchstgebot geschlossen werden.

Anmerkung: Für die Sofortkauf-Angebote gewerblicher Verkäufer bei eBay ist es völlig unumstritten, dass ein mindestens 14-tägiges Widerrufsrecht gilt und dass der Käufer hierüber belehrt werden muss.

Die Entscheidung des BGH:
Gemäß § 156 Satz 1 BGB kommt bei einer Versteigerung der Vertrag erst durch den Zuschlag des Versteigerers zustande. An einem solchen Zuschlag fehlte es bei der vorliegenden Internet-Auktion von eBay. Der Vertrag kam hier durch ein verbindliches Verkaufsangebot des Klägers und die Annahme dieses Angebots durch das Höchstgebot des Beklagten – also nicht durch einen Zuschlag nach § 156 BGB - zustande. Solche Formen des Vertragsschlusses, die von § 156 BGB abweichen, werden, wie der Bundesgerichtshof ausgeführt hat, nicht von dem Ausschluss des Widerrufsrechts nach § 312 d Abs. 4 Nr. 5 BGB erfaßt. Dafür sprächen zunächst die ausdrückliche Bezugnahme im Gesetzestext auf § 156 BGB und der Charakter der Vorschrift als einer grundsätzlich eng auszulegenden – Ausnahmebestimmung. Darüber hinaus fordere aber auch der Zweck des im Interesse des Verbraucherschutzes geschaffenen Widerrufsrechts eine enge Auslegung der Ausschlussregelung, da der Verbraucher, der einen Gegenstand bei einer Internet-Auktion von einem gewerblichen Anbieter erwerbe, den gleichen Risiken ausgesetzt und in gleicher Weise schutzbedürftig sei wie bei anderen Vertriebsformen des Fernabsatzes.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 03.11.2004


Asbesthaltige Mineralien - eine Gefahr für den Kunden?

08. Juli 2004



Im April 2004 hat das Gewerbeaufsichtsamt Regensburg Händler kontaktiert, die Mineralien im Sortiment haben, welche (zumindest dem Namen nach) zur Gruppe der Asbestmineralien gezählt werden. Um eine eventuelle Gefährdung von Verbrauchern auszuschließen, wurden Proben von Anthophyllit und Chrysotil-Quarz auf ihr Gefahrenpotential hin untersucht.

Das Landesamt für Arbeitsschutz ist bei den untersuchten Proben zu dem Ergebnis gekommen, (Zitat) "... dass es sich bei den Steinen um natürliche mineralische Rohstoffe handelt bei denen keine freien Asbestfasern vorhanden sind. Bei einer Bearbeitung der Steine z.B. Bohren, Schleifen ist davon auszugehen, dass Fasern freigesetzt werden und deshalb Arbeitsplatzmessungen durchgeführt werden sollten."

Da die Steine aber größtenteils im Ausland bearbeitet werden, hat das Gewerbeaufsichtsamt keine weiteren Schritte veranlasst. Für Händler und Kunden besteht also im Umgang mit den genannten Mineralien keine Gefahr. Eine besondere Kennzeichnung ist nicht erforderlich.

 


Die neue Strahlenschutzverordnung 2001

23. August 2001

Die Strahlenschutzverordnung, die seit dem 1. August 2001 in Kraft ist, regelt den Umgang mit radioaktivem Material, legt Grenzwerte fest für eine zumutbare Strahlenbelastung und regelt die Freigabe von kontaminiertem Material.

Einleitung

Um die Strahlenbelastung, die z.B. von radioaktiven Mineralien und Edelsteinen ausgeht, abschätzen zu können, müssen zwei Faktoren beachtet werden.

Zum Einen die Strahlendosis, die von einem Stein ausgesandt wird. Ihr Zugrunde liegt die spezifische Aktivität eines Steines. Sie bezeichnet das Verhältnis der Zerfallsrate eines radioaktiven Teilchens zur Masse des Materials, in dem es verteilt ist. Ihre Einheit ist Bequerell pro Gramm (Bq/g).

Zum Anderen die Strahlendosis, die vom menschlichen Körper tatsächlich aufgenommen wird und die je nach der betroffenen Körperregion und der Art der Strahlung unterschiedlich starke Auswirkungen haben kann. Diese Dosis wird effektive Dosis (E) genannt. Sie stellt ein Maß dar, für eine mögliche körperliche Schädigung. Ihre Einheit ist Sievert (Sv) bzw. Millisievert (mSv).

Sie errechnet sich aus der Summe der Organdosen HT, jeweils multipliziert mit dem zugehörigen Gewebe-Wichtungsfaktor WT. Dabei ist über alle Organe und Gewebe zu summieren.

In die Berechnung der effektiven Dosis fließen folgende Faktoren ein:

1. Der Gewebe-Wichtungsfaktor WT stellt ein Maß dar für die (schädliche)Auswirkungen einer ionisierenden Strahlung auf die verschiedenen Organe. Am empfindlichsten sind die Keimdrüsen, weshalb man besser keine radioaktiven Steine in der Hosentasche transportieren sollte. Radioaktiver Halsschmuck (z.B. aus Zirkon) beeinflusst vor allem die Speiseröhre und Schilddrüse.

Gewebe oder Organe Gewebe-Wichtungsfaktor WT

Keimdrüsen
Knochenmark (rot)
Dickdarm
Lunge
Magen
Blase
Brust
Leber
Speiseröhre
Schilddrüse
Haut
Knochenoberfläche

0,20
0,12
0,12
0,12
0,12
0,05
0,05
0,05
0,05
0,05
0,01
0,01
0,05

2. Die Organdosis (HT) ist die von einem Gewebe oder Organ (T) aufgenommene mittlere Energiedosis (= Organenergiedosis DT,R), die durch die Bestrahlung (R) erzeugt wird, multipliziert mit einem "Bewertungsfaktor", dem sog. Strahlungs-Wichtungsfaktor (WR).

HT,R= DT,R x WR

3. Der Strahlungs-Wichtungsfaktor WR trägt der Tatsache Rechnung, dass verschiedene Strahlungsarten unterschiedlich starke Auswirkung auf den menschlichen Körper haben. Ein Elektronenstrahl, wie er z.B. in Fernsehgeräten zum Einsatz kommt oder ein Laserstrahl (Photonen) habt eine wesentlich geringe Auswirkung auf den Körper, als z.B. eine Teilchenstrahlung in einem Atomkraftwerk.

Art und Energiebereich Strahlungs-Wichtungsfaktor WR
Photonen (alle Energien)
Elektronen und Myonen (alle Energien)
(z. B. Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung)

1
1

Neutronen mit Energie <10keV
10keV - 100keV
100keV - 2MeV
2MeV - 20MeV
>2MeV

5
10
20
10
5

Protonen (außer Rückstoßprotonen)
(Energie >2MeV)

5

Alphateilchen, Spaltfragmente,
schwere Kerne

20

 

Neue Grenzwerte

Am 14.3.2001 hat das Bundeskabinett eine Novelle der Strahlenschutzverordnung beschlossen. Der Bundesrat hat dem Verordnungsentwurf am 1. Juni 2001 im Grundsatz zugestimmt. Im Zuge der umfangreichen Novellierung werden in ersten Linie europäische Vorgaben der Richtlinien 96/29/EURATOM ("EURATOM-Grundnormen") und 97/43/EURATOM ("Patientenschutz-Richtlinie") in deutsches Recht umgesetzt. Die Strahlenschutzverordnung wurde gleichzeitig neu gefasst.

Wichtiger Eckpunkt der Neuregelung ist die Absenkung der Dosisgrenzwerte für die Bevölkerung und für die Arbeitskräfte. Zum Schutz der Bevölkerung vor Strahlenexpositionen aus zielgerichteter Nutzung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung wird der Grenzwert von 1,5 auf 1mSv im Kalenderjahr abgesenkt; der Grenzwert für beruflich strahlenexponierte Personen wird von 50 auf 20 mSv gesenkt.

Ausgedehnt wird der Strahlenschutz auf Strahlenexpositionen durch natürliche Strahlungsquellen. Es werden Strahlenschutzanforderungen bei Expositionen aus natürlichen Strahlungsquellen für Arbeitskräfte festgelegt, Vorsorge-, Schutz- und Überwachungsmaßnahmen sowie ein Grenzwert von 20 mSv für die effektive Dosis im Kalenderjahr vorgeschrieben.

Freigaberegelung

Erstmals wird auch die Freigabe für Stoffe aus genehmigungsbedürftigem Umgang mit radioaktiven Stoffen bundesweit und umfassend geregelt. Die Frage, ab welcher Strahlendosis der fragliche Stoff (z.B. ein Mineral oder Edelstein) seine rechtliche Einordnung als radioaktiv verliert und uneingeschränkt in Umlauf gebracht werden kann, beschäftigte eine Vielzahl von Gremien. Im Zuge der wissenschaftlichen Diskussionen und Prüfungen hat sich mittlerweile ein internationaler Maßstab durchgesetzt, wonach eine Entlassung aus der strahlenschutzrechtlichen Überwachung dann verantwortet werden kann, wenn sie zu Strahlenexpositionen führt, die allenfalls im Bereich von 0,01 Millisievert (mSv) im Kalenderjahr für Einzelpersonen der Bevölkerung liegen.

Diese Dosis von 0,01 mSv pro Jahr liegt weit unterhalb der Dosen durch natürliche radioaktive Strahlung und unterhalb der Strahlungspegel, die zeitweise im Alltag auftreten. So liegt die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland durchschnittlich bei 2,4 mSv pro Jahr. Entsprechend den geografischen und geologischen Gegebenheiten kann sie stark Variieren. So beträgt sie in Hamburg auf Meereshöhe ca. 0,4 mSv, in den Granitgebieten des Schwarzwaldes durch die im Gestein enthaltenen radioaktiven Minerale jedoch ca. 30 mSv. Typische Werte einer Röntgenaufnahme betragen ca. 0,1 –1 mSv, bei einem Nordatlantikflug ergeben sich ca. 0,1 mSv, in 10.000m Höhe sogar 70,0 mSv.

Internationale Umsetzung (Stand 2001)

Zur Zeit werden in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verbindliche Freigaberegelungen entwickelt, sofern nicht schon vorhanden. Auch andere Staaten, z. B. USA und Japan, kennen dieses Instrument. Orientierungswert für die Entlassung aus der staatlichen Überwachung ist bei allen Staaten 0,01 mSv.

Weitere Informationen zum Thema lesen Sie bitte in unserem Artikel Radioaktive Edelsteine

Laden Sie hier die neue Strahlenschutzverordnung 2001 als pdf-Datei herunter: BGBl 38


Autor: Dipl.- Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2001


Buchkritik "Wasser & Salz"

11. Mai 2001

Peter Ferreira & Barbara Hendel, Ina Verlags GmbH, Herrsching 2000, 232 Seiten, ISBN 3-00-008233-6

Die beiden Autoren haben sich die Arbeit sinnvoll aufgeteilt. Barbara Hendel schrieb den Teil Wasser", Peter Ferreira den Teil "Salz". Gewinnt man in der vorderen Hälfte des Buches, das dem Thema Wasser gewidmet ist, noch den Eindruck, hier schreibt eine kompetente Fachfrau, so verschwindet dieser Eindruck im Kapitel Salz zunehmend.

Die Grundannahme im Kapital Salz wird auf S. 83 postuliert: „Im natürlichen Kristallsalz finden wir alle Elemente vor, aus denen der menschliche Körper aufgebaut ist. Aus den Periodensystem kennen wir 92 natürliche Elemente. Alle diese Elemente sind mit Ausnahme der Edelgase indem hier beschriebenen Kristallsalz nachweisbar. Das Kristallsalz enthält also sämtliche >Mineralien< (wie das denn nun?) und Spurenelemente aus denen der menschliche Körper besteht".

Vergleicht man diese Aussage mit den Analyseergebnisse auf S. 121, so fällt auf das von den 92 dort aufgelisteten Elementen - incl. Uran und Plutonium - ganze 39 einen Gehalt von < 0,001 ppm (ppm = parts per million) haben. Vor dem Hintergrund, dass die Nachweisgrenze der benutzten Flammenspektrometrie (FSM) bei genau diesen 0,001 ppm liegt, bedeuten das, dass die betreffenden Elemente mit der angegebenen Methode nicht nachgewiesen werden konnten. Ähnlich ist es mit insgesamt 6 Elementen mit einem Gehalt < 0,01 ppm, die mit der Atom­Absorptionsspektrometrie (AAS) „nachgewiesen" wurden. Bei dieser Methode liegt die Nachweisgrenze genau bei 0,01 ppm. Tatsächlich nachgewiesen wurden demnach gerade mal die Hälfte der Elemente!

Das wäre nicht weiter tragisch, wenn auf der Behauptung, dass im Salz alle Elemente vorhanden sind, die auch im menschlichen Körper vorkommen, nicht ein Konstrukt an Thesen, Annahmen und Ableitungen aufgebaut würde, die alle nur das eine Ziel haben: die Bedeutung und Wichtigkeit von Salz und insbesondere des sogenannten "Himalaya Salzes" zu glorifizieren. „Eine solche kristalline Sole stellt ein wahres Energiemeer dar" (S. 100). - Zyniker behaupten schon, das träfe auch bald auf das ehemalige Salzbergwerk Asse zu, das seit 1995 in Dewutschland als atomares Endlager dient - aber dies ist ein anderes Thema.

Den Autoren mag diese Tatsache wohl nicht ganz entgangen sein, stellen sie doch im folgenden zunächst eine glasklare Definition auf: „Unter Kristallsalz verstehen wir also grundsätzlich immer die Gesamtheit aller natürlichen Elemente", um sie im nächsten Satz wieder zurückzunehmen: „Diese Ausdrucksweise mag chemisch nicht ganz korrekt sein, trotzdem werden wir Sie im weiteren fortführen. Denn die mengenmäßige Verfügbarkeit aller natürlichen Elemente in Kristallsalz ist biophysikalisch an dieser Stelle nicht von Bedeutung". Solche pseudowissenschaftlichen Bemerkungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das ganze Kapitel und erzeugen, gelinde gesagt, einen "unangenehmen Beigeschmack".

Es steht außer Zweifel, dass Salz für unser körperliches und seelisches Gleichgewicht von großer Bedeutung ist. Hier aber wird eine Substanz zunächst über alle Maßen glorifiziert, um den Leser dann auf den Umstand aufmerksam zu machen, dass Salz nicht gleich Salz ist. Und nun wird es interessant. Die Unterscheidung des denaturierten Kochsalzes, von Natursalz ist gut und wichtig. Meersalz wird mit der Bemerkung: „... hat heute nicht mehr den gleichen positiven Effekt auf unsere Gesundheit wie früher" (S. 100) aus dem Rennen geworfen. Bleibt noch das Steinsalz.

Aber halt, nicht irgendein Steinsalz, sondern besonderes Kristallsalz muss es sein. Die nun folgende Unterscheidung zwischen Steinsalz und einen Kristallsalz ist abstrus. Hier wird mit den Begriffen Kristall und Stein im Zusammenhang mit Salz jongliert, dass einem ganz schwindlig wird. Da ist von „übergeordneten natürlichen Ordnungszuständen" die Rede, „von resonanten Wirkungen der geometrischen Strukturen" und von „natürlich perfekter Symbiose aller beteiligter Elemente".

Das mündet in der Behauptung: „Die in Steinsalz enthaltenen Elemente haben nicht genügend Druck erfahren und sind somit nur teilweise und geringfügig in das Kristallgitter des Salzes eingebunden. Sie sind zu grobstofflich, um in unsere Zellen aufgenommen werden zu können". „Erst durch Druck werden die Elemente in eine spezifische Teilchengröße gebracht, sodass sie in einem ionalen bzw. kolloidalen Zustand übergehen" (S. 101). Und dieser Druck führte zur Bildung von Adern besonders reinen (!) Salzes (wie war das noch mal mit "allen Elementen"?). Kristallsalz eben. „Kristallsalz kristallisiert in den Bereichen, wodurch entsprechenden Druck kristalline Strukturen entstehen konnten". Wieso sich der Druck nur auf schmale Adern im Salzberg auswirkt und rechts und links davon nicht, diese Antwort bleiben uns die Autoren leider schuldig.

Aber noch sind wir nicht am Ende des Pfades, auf den uns der für den Salzbereich zuständige Autor führen will. Denn auch nicht jedes Kristallsalz entfaltet die versprochene Wirkung. Nur das handgebrochene Kristallsalz aus dem Himalaja bietet die versprochene heilsame Wirkung. Ausdrücklich distanziert man sich von „kristallisiertem Steinsalz" oder „Mischungen" wie sie angeblich aus Polen und anderswo herkommen. Warnungen werden ausgesprochen vor den Konkurrenzprodukten und konsequenterweise findet man im Anhang des Buches auch Bezugsadressen für das „echte Kristallsalz". Damit mutiert der Teil des Buches, der dem Salz gewidmet ist, endgültig zu einem aufwendig gestalteten Verkaufsprospekt.

Autor: Bernhard Bruder

Glasimitation alias "Vulkanglas"

10. August 2007
 


Unter solch irreführenden  Bezeichnungen wie "Erdbeerquarz", "Karneol", "roter Chalcedon" oder  sogar "roter Obsidian" kursiert seit einiger Zeit ein rotes Glas im Handel, das sowohl als geschliffene Ware (z.B. als Kugelketten) als auch als Trommelsteine in den Verkauf kommt. Mit bloßem Auge hat das Material ein durchaus natürliches Erscheinungsbild. Erst bei genauerer Beobachtung mit der Lupe können zahlreiche runde Gasblasen erkannt werden, die im Glas eingeschlossen sind. Diese Gasblasen und zahlreiche rote Einschlüsse machen das Material durchscheinend bis fast undurchsichtig, sodass es durchaus für einen natürlichen Stein gehalten werden könnte.

Rotes Glas ist in der Natur gänzlich unbekannt. Lesen Sie zu diesem Thema auch unseren ausführlichen Artikel: Obsidian - Naturprodukt contra Glasimitationen.

Künstliche Glasimitationen für Obsidian

Naturprodukt ...

Obsidian ist ein natürliches Lava-Glas, das in verschiedenen Farb- und Strukturvarianten (Varietäten) vorkommt:

  1. gewöhnlicher grünlich-brauner Obsidian
  2. Schwarzer Obsidian (schwarz durch Erzeinschlüsse)
  3. Rauchobsidian, Apachenträne (durchsichtiger schwarzer Obsidian mit weniger Erzeinschlüssen)
  4. Regenbogenobsidian (schwarzer Obsidian mit farbig reflektierenden Zonen durch Mineraleinschlüsse)
  5. Goldobsidian, Silberobsidian (schwarzer Obsidian mit goldenem oder silbernem Schimmer durch Glas- und Wassereinschlüsse)
  6. Mahagony Obsidian (schwarzer Obsidian mit braunen eisenoxidreichen Bändern)
  7. Schneeflockenobsidian (schwarzer Obsidian mit weißen Flecken durch beginnende Mineral-Auskristallisation).
  8. Raritäten:
    "blauer" Obsidian (leicht bläulich-grauer Obsidian)
    "grüner" Obsidian (leicht grünlich-grauer Obsidian)

Da kaum ein Nicht-Mineraloge das natürliche Aussehen von "blauem" und "grünem" Obsidian kennt, werden unter diesen Namen verschiedene aquamarinfarbige Kunstprodukte angeboten, deren Aussehen und Transparenz sich gravierend vom Naturprodukt unterscheidet. Die Farbe des natürlichen blauen oder grünen Obsidians ist so unscheinbar, dass Sie wahrscheinlich achtlos daran vorbeigingen, würden er Ihnen in der Natur begegnen. Nur beim Durchstrahlen mit Licht, haben sie eine Chance die bläuliche oder grünliche Färbung zu erkennen.

... contra Glasimitationen

Antikglas

     Mit erstaunlicher Beharrlichkeit kursiert seit Jahren eine hell- bis dunkelblau
oder gelblich bis grün gemaserte      Glasschlacke unter dem Namen "blauer Obsidian"
im Handel. Sie kam zunächst unter dem Namen "Antikglas" in Umlauf, erfuhr aber
schon bald eine irreführende Namens-Metamorphose zum Naturprodukt Obsidian.
Es handelt sich aber um ein Abfallprodukt aus der Eisenverhüttung und hat mit Obsidian
nicht das geringste zu tun. In Schweden gibt es Deponien dieses Materials, die sich
über mehrere Quadratkilometer erstrecken. Auch in Deutschland sind mehrere Fundpunkte
bekannt geworden.

Auch durchsichtiger "Obsidian", der in kräftigen Aquamarinfarben vermarktet
wird, hat sich bei genauer gemmologischer Prüfung als einfaches Flaschenglas entpuppt.

"Grüner Obsidian" oder "St. Helens Obsidian" stammt angeblich vom Ausbruch des
Vulkans St. Helens in den USA. Dass dort überhaupt keine Lava ausgeflossen ist,
scheint die Geschäftemacher nicht zu interessieren. Traurig ist nur, dass diese Lüge inzwischen auch in einigen esoterischen
Steine-Büchern verbreitet wird. Der Hersteller gibt an, dieses Glas würde von ihm durch Zusammenschmelzen von Asche
hergestellt, die an verschiedenen Stellen des Vulkans gesammelt wird.

Sonderbarerweise sind die Spurenelemente, die für die Färbung der Gläser
verantwortlich sind, in der Vulkanasche gar nicht vorhanden. Zu Testzwecken
eingeschmolzene Asche vom Mt. St. Helens ergab immer ein braunschwarzes
Glas. Davon abgesehen dürfte ein künstlich zusammen geschmolzenes Produkt
niemals Obsidian genannt werden.

Ebenso hartnäckig wie das St. Helens Glas hält sich ein künstliches, aquamarinfarbiges
Glasprodukt, dessen Herkunft mit Java (Indonesien) angegeben wird. Es wird als
"blauer Obsidian", "synthetischer Obsidian" oder "Aqua Lemuria" angeboten und
zeichnet sich aus durch eine hohe Transparenz. Ein transparenter Obsidian in
kräftigem grün oder blau oder ein natürliches aquamarinfarbenes Glas gibt es
jedoch in der Natur nicht.

Da Kunstgläser eine charakteristische Lichtabsorption im infraroten
Wellenlängenbereich haben, können sie durch eine Infrarot - Spektralanalyse immer von natürlichem Obsidian unterschieden werden.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder


© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI)


 

"Bergkristall"-Klangschalen - Ein Fake aus der Welt der Esoterik


Klangschalen sind in der fernöstlichen Meditationspraxis weit verbreitet. Üblicherweise bestehen Sie aus Metalllegierungen, die durch geschickte Bearbeitung ein beachtlich breites Klangspektrum erzeugen können.

Kürzlich wurden dem Institut für Edelsteinprüfung (EPI) zwei ungewöhnliche Klangschalen zur gemmologischen Untersuchung vorgelegt. Der Importeur gab an, dass das Material nach einem aufwändigen Verfahren aus "gereinigtem Bergkristall" hergestellt wird. Da ähnliche Beschreibungen schon des Öfteren für synthetischen Quarz oder Quarzglas verwandt worden sind, wurden beide Schalen mit einer Röntgendiffraktionsanalyse (RDA) auf Bergkristall oder andere kristallisierte Produkte hin untersucht. Die Analyse ergab eine Kurve, die typisch für den diffusen Reflex eines Quarzglases ist. Reste von kristallinem Quarz (Bergkristall) wurden in der Probe nicht gefunden.

Die Klangschalen sind demnach als Quarzglas (!) anzusprechen. Da der zur Herstellung benutzte Quarz-Sand komplett aufgeschmolzen ist,  darf er in der Produkt-Bezeichnung nicht als »Bergkristall« tituliert werden. Die Namensgebung »Bergkristall-Klangschale« ist in diesem Falle irreführend.

Zuverlässigen Quellen zufolge könnten die Glasbehälter der untere Teil von Reaktionsgefäßen sein, wie sie unter Anderem auch bei speziellen Verfahren der Kristallzüchtung benutzt werden.  

"GE POL" Diamanten - Ein Überblick


An anderer Stelle auf dieser Seite berichten wir über den Zachery Prozess, einer Hochdruck-Hochtemperatur (HPHT) Behandlungsmethode von Türkis, durch die seine Farbe deutlich verbessert wird.

Auch bei Diamanten gibt es schon seit geraumer Zeit Versuche, mittels HPHT-Technologie die Farbe zu beeinflussen. Im Frühjahr 1999 verkündete die General Electric Company (GE), sie hätte ein HPHT-Verfahren entwickelt, um Diamanten zu entfärben. Den Vertrieb übernahm die Antwerpener Firma Pegasus Overseas Limited (POL), weshalb diese eigenschaftsveränderten Steine den Namen "GE POL" Diamanten erhielten. Details der Behandlungsmethode wurden noch nicht bekannt und werden laut General Electric auch weiterhin geheim gehalten.

Die HPHT-Methode macht aus ursprünglich braunen oder bräunlichen, natürlichen Diamanten, farblose Steine. Aber nicht alle Diamanten lassen sich mit diesem Verfahren entfärben. Nur stickstofffreie oder extrem stickstoffarme Diamanten (Typ IIa) verlieren die Farbe und die machen nur ca. 1% der Diamantenproduktion aus. Darüber hinaus können nur besonders reine Steine verarbeitet werden.

Schon kleine Einschlüsse führen bei dem erforderlichen hohen Druck von über 50kb und der hohe Temperatur von über 1800°C zu Spannungsrissen, die den Wert des Steines mindern oder ihn sogar zerstören können.Die Bestimmung dieser Behandlungsmethode war zunächst problematisch. Mit gemmologischen Standardmethoden gibt es zwar Hinweise aber keine eindeutigen Beweise zu ihrer Identifizierung. Auf Vermittlung des GIA (Gemological Institute of America) werden deshalb seit Mitte 1999 alle von General Electric behandelten Steine auf der Rondiste mit der Laserinschrift "GE POL" gekennzeichnet und dann vom GIA graduiert.

Allerdings wurde bereits von Dritten versucht, die Laserkennzeichnung durch Nachpolieren zu entfernen, so dass man sich nicht hundertprozentig auf diese Art der Kennzeichnung verlassen kann.

Ausgiebige weltweite Forschungen haben inzwischen verlässlichere Methoden gefunden, um einen GE POL Diamanten eindeutig zu identifizieren. Mit UV/VIS- und IR-Spektrometern lässt sich ein erhöhter Stickstoffgehalt nachweisen, der in vergleichbaren natürlichen Diamanten des Typs IIa nicht vorkommt.  Ramanlaser- und Thermolumineszensanalysen liefern zusätzliche Unterscheidungskriterien.

Dadurch wurden in jüngerer Zeit farblose HPHT behandelte Diamanten aus russischer Produktion entdeckt. Seit wie vielen Jahren diese russischen Steine bereits auf dem Markt sind und ob es noch weitere Hersteller gibt, ist völlig unbekannt.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2000

 

 


Der Zachery Prozess


In Insiderkreisen wird eine neue Behandlungsmethode diskutiert, die zum erstenmal vor ca. 10 Jahren auftauchte.

Über die Einzelheiten dieses von James E. Zachery entwickelten Prozesses ist bis heute kaum etwas bekannt. Anscheinend wird die mikrokristalline Struktur von Türkis so verändert, dass sich sein Porenraum reduziert. Variationen in den Behandlungsmethodik verhelfen den Steinen zu einer intensiveren Farbe und/ oder zu einer besseren Polierbarkeit.

Angeblich funktioniert diese Methode nur zufriedenstellend, wenn das Ausgangsmaterial bereits von mittlerer bis guter Qualität ist. Kalkartig poröser Türkis liefert keine überzeugenden Ergebnisse. Gerüchten zufolge werden in den USA jährlich mehrere Tonnen hochwertigen Türkises auf diese Art und Weise 'optimiert'.

Mit den üblichen gemmologischen Methoden ist diese Behandlung nicht eindeutig zu identifizieren. Mit einer Spurenelementanalyse lässt sich die Manipulation jedoch aufdecken: der Kaliumgehalt der behandelten Türkise ist deutlich erhöht.


Zitronenmagnesit

Als im Jahre 1996 erstmals größere Mengen dieses grünen Gesteins auf den Mineralien-Shows in Tucson (USA) auftauchten, wurde es als "Lemon-Crysoprase" (dt.: "Zitronenchrysopras") bezeichnet. Als Fundort wurde der Bereich der östlichen Goldfelder der Central Division Mine in Westaustralien angegeben.

Chemische und mineralogische Analysen ergaben, dass es sich um einen hellgrünen, zum Teil verkieselten Magnesit handelt, in dessen Rissen sich  dunkelgrüner Chrysopras (Nickel-Chalcedon) gebildet hatte. Da er in Form von Knollen und Adern in einem stark verwitterten Serpentinit auftritt, zeigten die Rohstücke oft einen äußeren Rand aus stark korrodiertem und zu Laterit verwitterten, bräunlichen Serpentin. Daran anschließend fanden sich schmale grüne, z.T. durchscheinende Bereiche, aus Chrysopras bzw. grünem Opal. Der Hauptteil jedoch bestand aus einem grünlich-gelben, undurchsichtigen Magnesit, der von durchscheinenden, dunkelgrünen Adern durchzogen war, welche aus Chrysopras bestanden. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist das Material jedoch nicht mit Gaspeit (Ni,Mg,Fe)CO3 gleichzusetzen, da ihm der notwendige Eisenanteil fehlt.

 

Seit der Jahrtausendende ist die Nachfrage kontinuierlich gestiegen, sodass das ursprüngliche Material bald nicht mehr zur Verfügung stand. Seit dem Jahr 2004 beobachten wir eine divergente Entwicklung. Zunächst wurde gelbgrüner, nickelhaltiger Magnesit ohne Chrysoprasanteil vermarktet, nachfolgend dann ein beiger, fast weißer, verkieselter Magnesit ohne Nickel. Das Material stammt möglicherweise aus den Randbereichen der Abbaugebiete oder von verschiedenen Fundpunkten, die als Lake Rebecca, dem Bulong Komplex am Lake Yindarlgooda, bei Kambalda und Wingellina, sowie vereinzelte Fundpunkte nahe der Yundamindera Station angegeben werden.

Da dieses Material nicht (mehr) das charakteristische Aussehen und die chemische Zusammensetzung des ursprünglichen "Zitronenchrysopras" erfüllt, ist die derzeit erhältliche hellgrüne Variante als Nickel-Magnesit (oder: "Zitronenmagnesit") und die weiß-beige Variante als "verkieselter Magnesit" zu bezeichnen.


Korallen

Klassifizierung, Behandlungsmethoden, Artenschutz

Als Koralle bezeichnet man das innere Gerüst von skelettbildenden Nesseltieren (Korallenpolypen), die zum zoologischen Stamm der Cnidaria gehören. Ihre Skelette können nicht nur kalkige, sondern auch hornige Zusammensetzung haben. Manchmal kann die Zusammensetzung auch abwechseln (Bambuskorallen: kalkig/hornig). Bei den allermeisten Korallenarten handelt es sich um Steinkorallen, deren Skelette aus mikrokristallinem Kalk bestehen. Nach der Förderung aus der Tiefe der Meere werden die Korallenstöcke in heiße Säure getaucht, damit die fleischigen Polypen von ihrem Skelett abgetrennt werden. Dabei erhält die Koralle ihren seidigen Glanz. Die Farbe roter Korallen kann mitunter verblassen.

Edelkorallen

Mittelmeerkorallen (Corallium rubrum) stammen nicht nur aus dem Mittelmeerraum sondern auch von der Atlantikküste und werden in die Gruppen Sardegna (dunkelrot) und Sciacca (hellrot bis orange) unterteilt. Die Lagerstätten der Sciacca-Korallen, die vor der Küste von Sciacca, Sizilien lagen, wurden zwischen 1875 und 1880 entdeckt und lösten einen regelrechten Korallenboom aus. Bis ca. 1915 wurden sie kommerziell ausgebeutet, dann waren die Vorkommen restlos erschöpft. Heute ist Sciacca zu einer Farbbezeichnung geworden und bezieht sich nicht mehr auf den Fundort.

Südseekorallen stammen vor allem aus Japan (Aka Koralle, Corallium japonicum), von den Midway-Inseln im Pazifik (Midway Koralle, Corallium secundum) oder aus den Gewässern vor Taiwan (Momo Koralle, Corallium elatius). Auch hier sind die ursprünglichen Fundortangaben zu Farbbezeichnungen mutiert (siehe Farbskala Abb. 1). Corallium konjoi ist als weiße Koralle bekannt. Sie stammt aus dem Westpazifik und kommt von den Philippinen über Japan bis zu den chinesischen Hainan-Inseln vor. Diese vier Corallium Arten sind seit 2009 Bestandteil des Washingtoner Artenschutzabkommens und dürfen ohne Einfuhrpapiere nicht mehr gehandelt werden.

Schaumkorallen

Rote Schaumkorallen sind diejenigen Teile des Korallenstocks, die den Übergang vom Korallenfuß zum festen Teil des Korallenstocks bilden. Sie treten in zwei Varianten auf: die homogenere, großporige Variante stammt(e) von der nun artgeschützten Corallium Elatius (Sponga Koralle, Momo-Koralle). Bei der zweiten Variante mit kleineren Poren und einer ungleichmäßigen Farbverteilung handelt es sich um die Korallenart Melithaea ochracea, die noch nicht geschützt ist. Ihre natürliche Farbe ist oft weiß bis schmutzig graubraun, weshalb sie meistens gefärbt wird. Um einen schöneren Oberflächenglanz und strahlendere Farben zu erreichen ist eine Stabilisierung mit Kunstharz üblich.

Blau-Korallen

Blaukorallen gibt es in zwei grundsätzlich verschiedenen Arten. Die Akori Koralle (Allopara subirolcea) gehört zu den Hornkorallen und ist kaum am Markt vertreten. Das was hin und wieder als Blaukoralle angeboten wird, sind Steinkorallen der Art Heliopora coerulea, die seit dem Jahr 2000 unter Artenschutz stehen. Diese Korallen sind sehr oft gefärbt und mit Kunstharz stabilisiert.

Goldkorallen

Diese goldgelbe Korallenart aus dem Pazifik (Hawai, Tasmanien, Philippinen) wird zu den Gattungen Parazoaanthus und Cirrhiptes gerechnet. Sie werden oft durch schwarze Hornkorallen imitiert, die mit Wasserstoffperoxyd gebleicht wurden.

Schwarze Korallen

Schwarze Korallen bestehen aus amorpher organischer Substanz. Man zählt ca. 150 verschiedene Arten, von denen jedoch nur die Akabar, die schwarze Königskoralle (Antipatharia spiralis) kommerziell verwertet wird. Diese auch Dörnchenkoralle genannte Art wird weltweit gefunden und steht unter Artenschutz.

Apfelkoralle und Bambuskoralle sind Handelsbezeichnung für Steinkorallen der Familie Gorgonaria, die meist gefärbt sind.

Behandlungsmethoden

Alle Korallenarten können aufgrund ihrer Porosität gebleicht, gefärbt und/oder stabilisiert sein. Besonders häufig werden Schaumkorallen, Bambuskorallen und Blaukorallen gefärbt. Typisch sind eine fleckige Farbverteilung und Farbstoffkonzentrationen in Rissen.

Imitationen

Die häufigste Korallen-Imitation ist ein Pressprodukt aus Calcit, Kunststoff und Farbstoff, das vor allem bei Korallenketten weit verbreitet ist. Aber auch Glasimitationen sind in ihrem äußeren Erscheinungsbild durchaus überzeugend und nur durch Ihre physikalischen Daten unterscheidbar. Schwarze Korallen werden oft durch Kunststoffnachbildungen imitiert. Petoskey Stone ist ein fossiler Korallenkalk, der auch unter dem Namen "Versteinerte Koralle" gehandelt wird, aber nicht zu den normalen Korallen gerechnet werden darf.

Artenschutz

Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das 1984 innerhalb der Europäischen Union rechtskräftig wurde, weißt im Anhang III seiner aktuellen Fassung aus dem Jahr 2009 folgende Korallenarten als geschützt aus: Antipatharia (”schwarze Koralle“), Helioporacea (”blaue Koralle“), Scleractinia, Tubiporidae, Milleporina, Stylasterina, sowie vier Corallium Arten (C. elatius, C. japonicum, C. konjoi, C. secundum). Unter den zu Schmuckzwecken verarbeiteten Korallen fallen die blauen und schwarzen Korallen sowie vier rosa bis rote Corallium-Arten, die unter dem Namen Südseekorallen bekannt sind, unter das Artenschutzabkommen. Für diese Korallenarten ist eine Einfuhrgenehmigung erforderlich.

Was ist beim Import und Export von geschützten Korallen-Arten zu beachten?

Bei der Einfuhr aus so genannten Drittländern (außerhalb der EU) ist vom Einführer der Zollstelle eine Einfuhrmeldung gemäß Anhang II der VO(EG) 865/2006 vorzulegen. Wenn die Ausfuhr der Korallen aus dem Ursprungsland China erfolgt, ist eine CITES Ausfuhrgenehmigung im Original vorzulegen. Findet die Ausfuhr aus einem anderen Land statt, ist ein Ursprungszeugnis der zuständigen WA-Vollzugsbehörde vorzulegen. In Deutschland sind das das Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Beim Kauf von Anbietern innerhalb der EU sollte eine Auskunft über die Herkunft der Ware und von Direktimporteuren ggf. Kopien der o.g. Einfuhrmeldungen erbeten werden. Einfuhrmeldungen können beim Wilhelm Köhler Verlag, unter der Bestell-Nr. 223 bezogen werden .

Im Fall der Wiederausfuhr in Drittländer ist eine Wiederausfuhrbescheinigung des Versendungslandes erforderlich. Bei der Wiederausfuhr muss der Exporteur eine Wiederausfuhrbescheiniqunq vorlegen, da ansonsten Einfuhrländer die Importe nicht zulassen. Dazu muss er die rechtmäßige Ausfuhr aus dem Ursprungsland durch die nach dem WA vorgeschriebenen Dokumente bei Antragsstellung belegen. Genehmigungsbehörde für die Erteilung der Bescheinigungen ist das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Jede Sendung ist mit einem eigenen Dokument, das nur einmal verwendet werden kann, zu versehen. Die Bescheinigungen sind rechtzeitig vor beabsichtigten Exporten beim BfN zu beantragen.

Weitere Informationen zur Umsetzung des WA in Deutschland können auf der Internetseite des BfN (www.bfn.de) abgerufen werden, dort ist auch das Formular für die Beantragung von Bescheinigungen verfügbar (Vordruck 221).

Einen Statusbericht zur Situation des Korallenbestandes im Jahr 2010 finden Sie hier.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2010

 

Larimar und seine Imitationen

Die blaue Varietät des Minerals Pektolith (NaCa2[OH/Si3O8]) wurde 1974 an der Südwestküste der Dominikanischen Republik bei Baoruco entdeckt. Miguel Mendez, ein einheimischer Sachverständigen für kunsthandwerkliche Erzeugnisse, kreierte die Handelsbezeichnung "Larimar" auf Grund der meerblauen Farbe (’mar’ span. = Meer) und zu Ehren seiner Tochter Larissa. Als die Fundstellen des Larimars entlang der Küste erschöpft waren, setzte Mendez die Prospektion in den küstennahen Bergen fort. In rund 7 km Entfernung von der Küste entdeckte er ein kleines primäres Vorkommen - bisher das einzig bekannte von blauem Pektolith auf der Erde.

Larimar kommt dort in Adern, Gängen und derben Massen von einigen mm bis mehreren cm Größe vor, hauptsächlich entlang der Scherzonen eines hydrothermal umgewandelten Serpentinitkörpers. Die Farbe variiert zwischen blauen, hellblauen, türkisblauen, grünlichen bis seidenweißen Farbtönen. Die Larimarqualität wird an der Intensität des Blautons gemessen, d.h. je intensiver das Blau, desto höher die Qualitätseinstufung. Für die Farbgebung ist das Element Kupfer verantwortlich, welches auch in kleinen schwarzen Einschlüssen von Chalkosin (Kupferglanz) konzentriert ist.

Aufgrund seiner faserigen Beschaffenheit ist der Stein sehr brüchig und oft nur mit großen Verlusten zu bearbeiten. Häufig bleiben nach der Bearbeitung nur ca. 10% des Rohmaterials übrig. Wegen des großen Aufwandes, der geringen Fundmenge guter Qualitäten und des sehr hohen Verlustes bei der Verarbeitung, wird Larimar vor allem im oberen Preisniveau angeboten. Das macht den Stein auch für Fälscher attraktiv.

So wurde z. B. ein Fall eines Ebay-Anbieters bekannt, der "echte Larimarketten" zu Dumpingpreisen anbot. Eine gemmologische Untersuchung des Instituts für Edelsteinprüfung (EPI) zeigte jedoch, dass das angebotene Material zu 100% aus Glas bestand. Die Glasimitation hat eine hellblaue, opake Grundmasse mit zum Teil schlierig verteilten, transparenteren Zonen (siehe Abb. 2). Geschliffene Exemplare zeigen an der Oberfläche kleine, rundliche Hohlräume, die auf Luftblasen zurückzuführen sind (siehe Abb. 3). Die für Larimar typischen (radial-) strahligen Wachstumsstrukturen fehlen.



 

 


Abb.2 Glasimitation für Larimar mit transparenten "Schlieren"

Abb.3 An der Oberfläche angeschnittene Gasblasen kennzeichnen dieses Produkt als Glas

 Darüber hinaus gibt es eine Reihe von natürlichen Mineralen, die unter Umständen mit Larimar verwechselt werden können und hin und wieder "irrtümlich" als solcher angeboten werden. Vor allem blauer Calcit und Aragonit, Smithsonit und Hemimorphit, sowie Wardit kommen als Verwechslungssteine in Frage.

Häufig wird Larimar duch blauen Calcit oder Aragonit imitiert. Beide sind mit einem Säuretest identifizierbar. Sie reagieren schon mit Essigsäure mit einer leicht perlenden Gasentwicklung, Larimar hingegen nicht. Führen Sie die Probe mit kleinen Mengen an einer unauffälligen Stelle durch, da die Politur angegriffen (matt) wird.

Das EPI-Team


Feueropal

Guter Feueropal hat eine intensiv orangerote Farbe. Die gehobenen Qualitäten zeigen zudem ein Opalisieren, das sie zum Edelopal adelt. (Foto: Karola Sieber, Makrogalerie)

Die Bezeichnung Feueropal ist für Farbvarietäten von edlem (opalisierenden) oder gewöhnlichem (nicht opalisierenden) Opal gebräuchlich, die den gesamten Farbbereich von Gelborange über orangerot, rot bis tiefem Rotbraun umfassen. Für die Bildung dieser Opalvarietät sind kieselsäurereiche, eisenhaltige Lösungen verantwortlich.

Feueropal bildet sich bevorzugt in Rissen und Hohlräumen quarzreicher, rhyolithischer Gesteine. Die bedeutendsten Fundstellen liegen in Mexiko, wo sie in einem Ost-West verlaufenden Opalgürtel von der Stadt Guadalajara im Westen bis Pachuca im Osten von Mexiko auftreten.

Schon die Mayas und Azteken kannten diesen Schmuckstein, doch mit dem Einmarsch der spanischen Eroberer gerieten die Fundorte in Vergessenheit. Erst im Jahr 1835 wurden die im mexikanischen Hochland verborgenen Schätze neu entdeckt und systematisch abgebaut. Heute gilt der Feueropal als Nationalstein des mittelamerikanischen Staates.

Bis auf die außergewöhnlich großen Feueropale von Campos Borges im südbrasilianischen Staat Rio Grande do Sul, sind alle anderen Fundstellen der Erde, z.B. in Honduras, Guatemala, USA, Kanada, Australien, Äthiopien, der Türkei und Indonesien ohne wirtschaftliche Bedeutung.

Guter Feueropal hat eine intensiv orangerote Farbe. Die gehobenen Qualitäten zeigen zudem ein Opalisieren, das sie zum Edelopal adelt. (Foto: Karola Sieber)

Feueropal ist nicht gleich Feueropal. Vier Faktoren spielen bei der Qualitätsbeurteilung von Feueropalen eine Rolle:

1. Farbe

Zu blasse und fast schwarze Farben werden nicht als Feueropal akzeptiert. Es ist durchaus nichts ungewöhnliches, dass Feueropal auf engstem Raum neben Wasseropal und Milchopal vorkommt. Hier ist Augenmerk gefragt: farblose, blassgelbe und weiße Exemplare sind keine Feueropale.

Helles Rhyolithgestein aus Mexiko. Links ohne Feueropal, rechts mit Feueropal und anderen Opalvarietäten (Foto: Karola Sieber, Makrogalerie)

2. Transparenz

Je transparenter ein Stein, desto wertvoller ist er. Trübungen sind häufig und durchaus akzeptiert, aber opake Steine ohne Opalisieren gelten als Minderwertig und entsprechen dem, was australische Schürfer als "Potch" bezeichnen.

3. Opalisieren

Man unterscheidet zwischen nicht opalisierenden Feueropalen und den besonders hochwertigen opalisierenden Feueropalen, die zusätzlich zu ihrer intensiven Farbe noch das für Edelopale typische bunte Farbenspiel zeigen. Je mehr Farben das Spektrum des Farbenspiels umfasst und je größer die Transparenz, desto höher wird der Stein bewertet.

4. Haltbarkeit

Manche Rohsteine sind am Fundort mit einer kreidig-weißen Verwitterungskruste überzogen - ein Zeichen für einen Alterungsprozess durch Wasserverlust. Die Anfälligkeit für diesen Entwässerungsprozess, der sie trübe und rissig macht, zeigt sich meist innerhalb des ersten Jahres nach dem Abbau. Eine Faustregel lautet: je trockener die Fundstelle, desto haltbarer die Opale.

Körperfarbe, Transparenz, Farbenspiel, und Rissanfälligkeit sind die preisbestimmenden Kriterien des Feueropals. Je mehr Transparenz und „Feuer“ er besitzt und je intensiver tiefrot seine Körperfarbe ist, desto wertvoller ist er. Am meisten geschätzt werden intensiv rot-orange Steine mit starkem Opalisieren.

Typische "Feueropal"-Mischung aus einem Trommelsteinsortiment. Auch wenn alle Stücke aus der gleichen Mine in Mexiko stammen, sind hier nur wenige Steine tatsächlich Feueropal. (Foto: Archiv EPI)

Im preisgünstigen Trommelsteinsegment wird jedoch meist alles verarbeitet, was eine Mine hergibt und so findet man farblosen, weißen, gelben bis braunen gewöhnlichen Opal (ohne Opalisieren) und weißen, orangeroten bis rotbraunen Edelopal (mit Opalisieren) zusammen in einer Lieferung.

Für einen Fachhändler ist es selbstverständlich, solche Mischsortimente entweder fein säuberlich zu trennen oder sie als Opal (z.T. Feueropal) zu deklarieren. Solche Mischpartien einfach nur als "Feueropal" zu bezeichnen ist zwar bequem aber nicht fachgerecht. Analog dazu sind auch die Gesteinsbruchstücke mit kleinen Drusenfüllungen aus farblosem, weißem, orange- oder braunrotem Opal zu benennen.

In Mexiko werden solche Steine "Canteras" genannt, was soviel heißt wie Bruchstein, hier in Europa werden sie als "Feueropal in Matrix" gehandelt. Sie sind vergleichbar mit den australischen Boulder-Opalen, bei denen der Opal auch stets in Muttergestein eingebettet ist. Bei Feueropalen besteht dieses Muttergestein aus einem rhyolithischen Vulkangestein. Deshalb lautet die fachgerechte Bezeichnung: Opal (z.T. Feueropal) in Rhyolith.

 




 

giftige Minerale

Minerale sind kristallisierte, in der Natur gebildete Chemikalien. Giftige Chemikalien unterliegen der Chemikalienverordnung, die vorschreibt, dass giftige Substanzen entsprechend gekennzeichnet werden und mit einem Sicherheitsdatenblatt versehen in den Handel gelangen. Um die potentielle Gefahr, die von einem giftigen oder gesundheitsschädlichen Mineral ausgeht, abschätzen zu können, müssen folgende Faktoren beachtet werden:

1. Exposition

In Abhängigkeit davon, ob giftige Minerale als pulvrige Überzüge, gut kristallisiert oder als Einschlüsse in Wirtsmineralen vorliegen, entwickeln sie eine unterschiedlich starke Toxizität.

2. Resorption.

Der Weg auf dem giftige Stoffe mit dem Körper in Kontakt kommen und von ihm aufgenommen werden, ist entscheidend für ihre Schädigungspotential. Die häufigsten Resorptionswege sind dabei: Haut (giftig beim Berühren), Atmungsorgane (giftig beim Einatmen von Staub - wichtig beim Bearbeiten von Steinen), Magen-Darm-Trakt (giftig beim Verschlucken).

3. Dosis

Welche Mengen werden aufgenommen. Hier hat es sich als nützlich erwiesen, die Dosis anzugeben, bei der 50% der Versuchstiere (Hunde, Ratten, Bakterien, Fische) sterben (LD50). Auch ist es sinnvoll die Dosis anzugeben, die bei Aufnahme über verschiedene Resorptionswege tödlich wirkt (LD-oral, LD-dermal usw.) Leider liegen nicht zu allen giftigen Mineralien solche Laborwerte vor.

3. Kontaminationszeit

Einige Elemente wie Blei und Quecksilber, können sich in Muskel- oder Fettgewebe oder auch in Knochen anreichern. Mineralien, die solche Elemente enthalten, entwickeln ihre schädigende Wirkung erst im Verlauf von längeren Zeiträumen (chronische Vergiftung).

problematische Elemente

Um nun abschätzen zu können, ob ein bestimmtes Mineral möglicherweise gesundheitsschädliche Wirkung haben könnte, ist die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung und damit des Elementgehalts unerlässlich. Eine eindeutig toxische Wirkung entfalten die Elemente Antimon, Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber.

Antimon

Die Toxizität von Antimon kann nur schwer beurteilt werden, da es fast immer mit anderen giftigen Metallen wie Arsen und Blei auftritt, deren Wirkung im Vordergrund steht. Für den Menschen sind Antimonverbindungen gesundheitsschädlich und z.T. giftig, wobei die dreiwertige Spezies die fünfwertige in ihrer Toxizität um etwa das Zehnfache übersteigt.
Die toxische Wirkung bei oraler Aufnahme beruht auf Schädigungen des Magen-Darm-Trakts (Erbrechen und Durchfall). Antimonverbindungen können jedoch die Magen- und Darmwände nur schwer durchdringen und gelangen auf diesem Wege nur in sehr geringen Mengen in den Blutkreislauf.
Antimonhaltige Stäube können die Lungen, die Augen und der Haut schädigen (Dermatitis, Keratitis), sowie zu einer Hämolyse (Abtrennung der roten Blutkörperchen) führen. Es treten darüber hinaus Schädigungen an inneren Organen (Lungenödeme, Leberzirrhose, Nierendefekte, Herz-Kreislauf) und am Knochenmark auf. Die letale Dosis beim Menschen liegt bei etwa 100 mg Sb/kg.

Arsen

Arsen kann eine akute oder eine chronische Vergiftung bewirken. Eine akute Arsenvergiftung ruft innerhalb einer Stunde Leibschmerzen, Erbrechen und Durchfälle hervor. Infolge der damit einhergehenden Wasser- und Elektrolytverluste kann es zu Herz-Kreislauf-Versagen kommen.
Über die Haut können Arsen-Verbindungen langsam resorbiert werden. Die Aufnahme durch die Lunge und den Magen-Darm- Trakt erfolgt schnell. Dreiwertige Arsen- Verbindungen sind im allgemeinen giftiger als fünfwertige. Die tödliche Dosis beträgt für den Menschen ca. 0,15 - 0,3 g.
Auch eine tägliche Aufnahme von kleineren Mengen kann zu Vergiftungen führen. Chronische Vergiftungen führen zu Nervenschäden, Schwäche, Gefühllosigkeit und Kribbeln der Gliedmassen, dunkler Hautfärbung, Rückbildung des Knochenmarks, Leberveränderungen. Arsen-Verbindungen sind beim Menschen eindeutig krebserregend. Häufig kommt es zu Leberzirrhose. Bei beruflich exponierten Personen sind Haut-, Leber-, Lungenkrebs aufgetreten.

Blei

Blei ist ein systemisch wirkendes Zellgift, das je nach Dosis und Zeit verschiedene Schadwirkungen in vielen Organen und Organsystemen hervorruft. In aller Regel handelt es sich um chronische Schädigungen: Schädigungen des zentralen Nervensystems, Störungen im Vitamin-D-Stoffwechsel und bei der Bildung von Blutfarbstoff, Blutdruckerhöhungen, Fruchtschädigung, Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit, Beeinträchtigung der kindlichen Intelligenzentwicklung. Soweit nicht gesondert bewertet, sind alle Bleiverbindungen als fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 1 (fruchtschädigend) und 3 (Fertilität) (R61 und R62) eingestuft.
Blei verhält sich im Körper ähnlich dem Calcium (z.B. Einlagerung in Knochen). Über den Magen-Darm-Trakt gelangt Blei in den Blutkreislauf (Aufnahme: Erwachsene ca. 10%, kleine Kinder ca. 50%). Durch Akkumulation in inneren Organen führt Blei zu chronischen Schädigungen.
Darüber hinaus sind alle Bleiverbindungen als umweltgefährlich N eingestuft (R50-53), d.h. sie sind sehr giftig für Fische und andere Wasserorganismen.

Cadmium

Bis auf Cd-oxid und Cd-sulfid sind alle Cadmiumverbindungen gesundheitsschädlich. Entscheidend für die Bioverfügbarkeit von Cadmium ist der pH-Wert des umgebenden Mediums. Mit zunehmender Versauerung geht schwer lösliches Oxid und Sulfid in wasserlösliche Cd-Ionen über. Mineralische Cadmiumverbindungen sind chemisch sehr stabil, jedoch bei verdünnter Salzsäure (Magensäurekonzentration) sind geringe Anteile löslich. Das kann zu einer Akkumulation in inneren Organen führen, wodurch chronische Schädigungen von Niere, Leber und Knochenmark bei Wirbeltieren ausgelöst werden.

Quecksilber

Aufnahme über die Lunge, die Haut und den Magen. Der durch Zersetzung von quecksilberhaltigen Mineralien entstehende Quecksilberdampf, der inhaliert zu 80 % resorbiert wird, kann zu Übelkeit, Erbrechen, Leibschmerzen, blutige Durchfälle und Zahnlockerung führen. Der MAK-Wert liegt bei 0,01 ml/m3.
Auf Haut und Schleimhäute wirken mineralische Quecksilberverbindungen ätzend.
Gelangen sie durch die Nahrungsaufnahme in den Körper, kommt es zu Rachenentzündungen, Schluckbeschwerden, Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kreislaufkollaps und Schock. Chronisch Wirkung auf das Nervensystem.
Alle Quecksilberverbindungen sind stark wassergefährtend und deshalb als umweltgefährlich (N) eingestuft.

Nachfolgend ist eine kleine Auswahl von giftigen oder gesundheitschädlichen Mineralien aufgelistet, die auf Mineralienbörsen angeboten werden.

sehr giftig

Mineral

Formel

Gefahrenpotential

Cinnabarit
(Zinnober)

HgS

Sehr giftig beim Verschlucken oder Berührung mit der Haut!
Gefahr durch Hautresorption.
Gefahr kumulativer Wirkungen.
wassergefährdend

Lopezit

K2Cr2O7

Sehr giftig (krebserregend) beim Einatmen von Staub.
Giftig beim Verschlucken
Auch gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut.
Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich.
Kann vererbbare Schäden verursachen.
Gefahr ernster Augenschäden.
Sehr giftig für Wasserorganismen.
stark wassergefährdend
Brandfördernd

 

giftig

Mineral

Formel

Gefahrenpotential

Anglesit

PbSO4

kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Auripigment

As2S3

Giftig beim Verschlucken
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Bunsenit

NiO

Krebserzeugend beim Einatmen von Staub
Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich

Cerussit
(Weißbleierz)

PbCO3

kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen
wassergefährdend

Fiedlerit

Pb3Cl4F(OH)

kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Galenit
(Bleiglanz)

PbS

kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen

Greenockit

CdS

Krebserzeugend
stark wassergefährdend

Krokoit

PbCrO4

kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Millerit
(Gelbnickelkies)

NiS

Krebserzeugend beim Einatmen von Staub
Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich
wassergefährdend

Minium

Pb3O4

kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Nickelin
(Rotnickelkies)

NiAs

Gefahr kumulativer Wirkungen
Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Rauenthalit

Ca3(AsO4)

Krebserregend
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Realgar

AsS

Giftig beim Verschlucken
Krebserregend
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Vanadinit

Pb5[Cl/(VO4)3]

möglicherweise Krebserzeugend
kann das Kind im Mutterleib schädigen
kann die Fortpflanzung beeinträchtigen
Gefahr kumulativer Wirkungen
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

 

gesundheitsschädlich

Mineral

Formel

Gefahrenpotential

Antimonit
(Antimonglanz, Stibnit)

Sb2S3

Reizt die Haut und die Schleimhäute
Kann Bindehautentzündung hervorrufen

Azurit

Cu3(CO3)2(OH)2

Gesundheitsschädlich beim Verschlucken
wassergefährdend

Chalkanthit
(Kupfervitriol)

CuSO4

Gesundheitsschädlich beim Verschlucken:
Erbrechen, Durchfall
Schädigung von Leber und Nieren
möglicherweise krebserregend oder -fördernd

Cuprit

CuO

Gesundheitsschädlich beim Verschlucken

Gaspeit

(Ni,Mg,Fe)CO3

Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich.
Möglicherweise krebserregend oder -fördernd
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Kalomel

HgCl

Gesundheitsschädlich beim Verschlucken
Sehr giftig für Wasserorganismen
stark wassergefährdend

Malachit

Cu2(CO3)(OH)2

Erbrechen, Durchfall, Schädigung von Leber und Nieren

Pyrolusit
+ Psilomelan
+ Ramsdellit

MnO2

Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit
Brandfördernd

Spherocobaltit

CoCO3

Durch Hautkontakt Sensibilisierung möglich.
Möglicherweise Krebserregend oder -fördernd
Irreversibler Schaden möglich.

Valentinit
(Antimonblüte)
+ Senarmontit

Sb2O3

Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
wassergefährdend

Wolframit
+ Hübnerit

(Fe-) MnWO4

Gesundheitsschädlich beim Verschlucken

Insgesamt findet man in der Natur ca. 200 verschiedene Minerale, die einen schädigenden Einfluss auf Mensch und Natur haben können. Viele von Ihnen entfalten ihre gesundheitsschädigende Wirkung allerdings erst beim Einatmen des jeweiligen Minerals in Staubform oder im Kontakt über lange Zeiträume. Sie sind also nur im Zusammenhang von Arbeitsschutzmaßnahmen relevant.

weiterführende Literatur

PUFFER, J. H. (1980): Toxic Minerals; Mineralogical Record 11; p. 5 - 11; Tucson, Ariz.

MERIAN, E. (1984): Metalle in der Umwelt - Verteilung, Analytik und biologische Relevanz; VCH, Weinheim


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2006
 

 

Feldspatfamilie

Feldspat ist ein Überbegriff für eine ganze Familie von aluminiumhaltigen Silikaten. Chemisch unterscheiden sich die einzelnen Mitglieder dieser Familie vor allem durch ihren unterschiedlichen Gehalt an Natrium (Na), Calcium (Ca) und Kalium (K).

Kalifeldspäte

Kalifeldspäte treten in 3 verschiedenen Modifikationen auf, die sich durch ihre Kristallstrukturen und Bildungstemperaturen unterscheiden.

Modifikation Kristallsystem Mineralname Varietät
Hochtemperatur monoklin Sanidin  
Tieftemperatur monoklin Orthoklas - Adular

- Goldorthoklas

- Orthoklas-Mondstein

- Orthoklas-Amazonit

Tieftemperatur triklin Mikroklin - Mikroklin-Amazonit

- Mikroklin-Mondstein

 

Sanidin

Der monokline Sanidin, entsteht bei Temperaturen über 600°C. Hochtransparente Exemplare, die typischerweise eine schwach rauchgraue Farbe besitzen, werden hin und wieder facettiert. Sie können dann leicht mit Rauchquarz verwechselt werden.

Mikroklin

Bei tiefen Temperaturen entsteht der trikline Mikroklin. Eine grüne, bleihaltige Farbvarietät ist unter dem Handelsnamen Amazonit bekannt. Der undurchsichtige bis schwach durchscheinende Schmuck- und Dekorstein kommt feinkörnig mit homogener Farbverteilung in den Handel oder grobkörnig mit vielen weißen Rissen, die dem Stein ein attraktives gesprenkeltes Aussehen geben. Verwechslungsgefahr besteht mit grünlichem Chalcedon.

Orthoklas

Ebenfalls bei tiefen Temperaturen, aber unter etwas anderen Bildungsbedingungen entsteht der monokline Orthoklas (= “der rechtwinklig Brechende”). Gelbe Varietäten werden als Gold-Orthoklas bezeichnet. Er kann leicht mit Citrin verwechselt werden. Im Gegensatz zum Orthoklas hat Citrin jedoch einen muschelartigen, rundlichen Bruch. Mitunter wird Gold-Orthoklas durch gelbes Glas imitiert. Eine farblose und glasklare Varietät von Orthoklas heißt Adular. Nach dieser Varietät ist der typische Lichtschein bei Mondsteinen, das Adularisieren, benannt.

 

Plagioklase

Plagioklas ist ein Sammelname für die Feldspäte der Albit-Anorthit Mischkristallreihe.
Die Mitglieder dieser Mischkristallreihe werden nach ihrem Calcium Gehalt unterteilt.

Mineralname Calciumgehalt
Albit 0 - 10 Mol%
Oligoklas 10 - 30 Mol%
Andesin 30 - 50 Mol%
Labradorit 50 - 70 Mol%
Bytownit 70 - 90 Mol%
Anorthit 90-100 Mol%

 

Albit

In reinem Zustand ist Albit farblos. Durch Entmischung von Kalifeldspat kann aber auch ein attraktiver Mondstein mit gelblicher und grünlicher Körperfarbe entstehen.

Oligoklas

Stark glitzernder, orangebrauner Oligoklas ist unter dem Namen Sonnenstein oder Aventurin-Feldspat bekannt.
Der Beiname Aventurin weist auf den typischen Glitzereffekt hin, dem Aventurisieren. Sonnenstein muss also glitzern, sonst ist es kein Sonnenstein!
Die Ursache für diesen Effekt sind feinverteilte Hämatit-Plättchen, an denen das Licht reflektiert wird.
Larvikit ist ein wenig bekanntes oligoklashaltiges Gestein. Die Entmischung von winzigen Körperchen von Kalifeldspat, ist die Ursache für einen blauen labradorisierenden Flächenschiller. Das Material wird vor allem zu Dekorsteinen und Fußbodenbelägen verarbeitet.

Labradorit

Labradorit ist der Harlekin unter den Feldspäten. Sein Farbenspiel, das von goldgelb über grün bis violett reichen kann, entsteht durch die Reflexion des Lichtes an mikroskopisch dünnen Lamellen im Kristall. Der so entstehende Effekt, das Labradorisieren, ist die Folge der sogenannten Böggild-Mischungslücke. Möglicherweise tragen auch Zwillingslamellen zu diesem Effekt bei. Labradorit, der das ganze Farbspektrum zeigt, nennt man Spektrolith.
Eine relativ neu entdeckte Labradorit-Varietät ist der sogenannte Oregon-Sonnenstein. Mit einem Calciumanteil von nahezu 70% liegt seine chemische Zusammensetzung genau an der Grenze von Labradorit und Bytownit. Er wird in den Farben rot, gelb und grün gefunden. Sein aufregendes Glitzern erhält er durch metallische Kupferplättchen.

 

Lichteffekte bei Feldspäten

Adularisieren (Mondsteine)

Der Natrium-Feldspat Albit kann sowohl mit Kalifeldspat (mit den 3 Modifikationen Sanidin, Mikroklin und Orthoklas), als auch mit dem Calcium-Feldspat Anorthit Mischkristalle bilden. Bei Temperaturen über 600°C sind alle Mischungsverhältnisse möglich, deshalb spricht man hier von einer kontinuierlichen Mischkristallreihe zwischen Albit und Kalifeldspat (Sammelname: Alkalifeldspäte), sowie zwischen Albit und Anorthit (Sammelname: Plagioklase). Bei sinkender Temperatur nimmt diese Fähigkeit Mischkristalle zu bilden stark ab. Es entstehen immer größer werdende Bereiche, in denen die Feldspäte nicht mehr mischbar sind (sogenannte Mischungslücken). Fällt die chemische Zusammensetzung eines bei hohen Temperaturen entstandenen Mischkristalls bei sinkenden Temperaturen in den Bereich einer Mischungslücke, so beginnt er sich zu entmischen. Es entstehen spezielle räumliche Strukturen in Form kleiner paralleler Spindeln oder Lamellen, an denen sich das Licht bricht.
Haben die spindelförmigen Strukturen die richtige Größe, so streuen sie das Licht als diffusen Lichtschein zurück. Dieser als Adularisieren bezeichnete Effekt macht aus einem gewöhnlichen Feldspat einen Mondstein. Größere Spindeln erzeugen einen weißen Lichtschimmer, kleinere den begehrten Blauen. Mondsteine mit blauem Lichtstreifen werden höher bewertet, als solche mit weißem, Steine mit dunkler Körperfarbe höher als helle. Der Lichtschein tritt vor allem bei Kalifeldspäten auf, ist aber auch bei Plagioklasen bekannt.
Mondstein wird durch synthetischen Spinell, gebrannten Amethyst oder bläulich schimmerndes Kunstglas imitiert.

Labradorisieren (Labradorite)

Wird das Licht nicht an spindelförmigen, sondern an lamellenartigen Entmischungskörpern gebrochen, so entsteht ein buntes Farbenspiel, das Labradorisieren.
Es wird oft mit dem Adularisieren verwechselt. Häufig wird z. B. weißer, durchsichtiger Labradorit-Feldspat mit bläulichem und gelblichem Farbenspiel als (Regenbogen-) Mondstein angeboten. Bei genauem Betrachten des Steines sind die Unterschiede aber auch für den Laien gut erkennbar. Der Schimmer eines Mondsteins besteht immer nur aus einer einzigen Farbe. Bei rundlich geschliffenen Steinen tritt er als seidig glänzender Streifen auf, niemals als bunt schillernde Fläche.
Ein farbloser Labradorit, der durch nadelige Einschlüsse fast schwarz wirkt, wird als “schwarzer Mondstein” oder “Mondstein-Katzenauge” angeboten. Bei rundlich geschliffenen Steinen zeigt sich zwar ein blauer Lichtstreifen, der jedoch nicht durch Adularisieren entsteht, sondern durch Chatoyance.
Chatoyance (Katzenaugen-Effekt) hat seine Ursache in feinfaserigen gleichgerichteten Mineraleinschlüssen (z.B. Quarz-Katzenauge) oder dünnen, parallelen Hohlkanälen (z. B. Turmalin-Katzenauge) an denen das Licht reflektiert wird. Deshalb ist die Bezeichnung Mondstein hier nicht angebracht. Tatsächlich handelt es sich nämlich um Labradorit-Katzenaugen.

Aventurisieren (Aventurin-Feldspäte, Sonnenstein)

Der als Aventurisieren bekannte Glitzereffekt wurde bisher nur bei Oligoklas und Labradorit gefunden.
Als Imitation dient ein Kunstglas, das winzige Kupferpartikel enthält, die das Glitzern der Hämatit Einschlüsse nachahmen sollen. Dieses Glas wird Goldfluss, Goldstein oder Aventuringlas genannt. Unter diesen Namen wird es fälschlicherweise mitunter auch als echter Stein angeboten.

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2008

 

 


Türkis

Türkis gehört zu den ältesten Schmucksteinen, die wir kennen. Schon in 7500 Jahre alten ägyptischen Gräbern wurden Schmuckstücke und Einlegearbeiten mit Türkisen gefunden.

Die ältesten dokumentierten Abbaugebiete der Welt sind die Maghara Wadi Minen auf der Halbinsel Sinai. Bereits 3200 v. Chr. wurden jährlich mehrere tausend Arbeiter dorthin geschickt, um Türkis abzubauen. Die Minen wurden über einen Zeitraum von 2000 Jahren für die Pharaonen bearbeitet, bevor sie in Vergessenheit gerieten.

Kein anderes Mineral wird in so vielen Kulturen der alten und neuen Welt als Schutzstein, Talisman und Glücksbringer verehrt. In Tibet galt der Türkis als heiliger Stein. Man unterschied dort 6 Qualitätskategorien. Der Preis der besten Kategorie lag weit über der von Gold. Auch bei den Moche in Nordperu stand er in hohem Ansehen und vor allem bei den Azteken, die ihn "Calchihuitl" nannten. In deren ehemaligem Einflussbereich wurde der Stein bereits in prähistorischer Zeit abgebaut.

Die wirtschaftlich bedeutendsten Vorkommen liegen auch heute noch auf dem Gebiet des "alten Mexiko" in den US-Staaten Neumexiko, Nevada und Arizona.

Qualitätskriterien

Bei der Beurteilung der Qualität eines Türkis spielen folgende Faktoren eine Rolle:

1. Die Farbe

Hochwertiger Türkis zeigt im Tageslicht ein homogenes Himmelblau, welches manchmal auch unregelmäßige, wolkige, weißliche Flecken aufweisen kann.

Die Topqualitäten erkennt man aber im Kunstlicht unter einer Glühbirne. Hier muss die Farbe in voller Schönheit erhalten bleiben. Farbveränderungen, die ins Graue gehen, wirken sich qualitätsmindernd aus. Schlägt die Farbe vollständig in Grau um, so besteht der Verdacht, dass es sich gar nicht um Türkis, sondern um Odontolith handelt.

Die begehrte blaue Farbe verdankt Türkis seinem Gehalt an Kupfer. Im Wesentlichen besteht das Mineral aus Aluminium, Kupfer, Phosphor und Wasser. Es enthält aber auch immer etwas Eisen. Das Mischungsverhältnis von Kupfer und Eisen ist ausschlaggebend für den Farbton. Je mehr Eisen der Stein enthält, desto grüner wird.


2. Die Härte

Die Härte von Türkis variiert zwischen 2 und 6. Zwei Gründe sind dafür verantwortlich:

a) Wassergehalt

Türkise, die lange Zeit nahe der Erdoberfläche geruht haben, sind ausgetrocknet und dadurch härter geworden. In vielen Minen im Südwesten der USA sind Türkise, die aus über 30 Metern Tiefe stammen, wasserhaltiger und damit weicher und grüner. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass man die Topqualitäten bevorzugt in den Trockengebieten unserer Erde findet.

b) Quarzgehalt

Türkis in Edelsteinqualität ist hart und enthält wenig Poren. Er ist im Laufe seiner Entstehung auf natürliche Art und Weise stabilisiert worden. Seine Poren wurden durch eindringende Kieselsäure verschlossen. Deshalb liegen Härte und spezifisches Gewicht (2,5-2,8 g/cm³)auch nahe bei Quarz. Hauptlieferant für diese Topqualitäten ist immer noch der Iran.

Das amerikanische Material hat meistens einen Stich ins Grünliche und ist oft angewittert und porös. Schlechte Qualitäten sind sehr weich und lassen sich bereits mit dem Fingernagel ritzen. Die minderwertigsten Qualitäten ähneln mehr einer Tafelkreide, denn einem Türkis (siehe Tafel links).

 

Behandlungsmethoden

1. Paraffinieren

Farbschwache Türkise, die in farbloses Wachs getaucht ('paraffiniert') werden, bekommen eine intensivere Farbe und einen stärkeren Oberflächenglanz. Gleichzeitig wird die Oberfläche versiegelt, wodurch der Stein unempfindlicher für Schweiß und Chemikalien (z.B. Seife) wird. Viele der heute im Handel befindlichen Türkise sind hartwachsvergütet. Diese 'Eigenschaftsverbesserung" ist leider nicht von langer Dauer. Sowohl Wachs als auch Öl trocknen mit der Zeit aus, wodurch die vermeintlich intensive Farbe wieder verblasst. Der Glanz lässt nach und Kratzer und Risse an der Oberfläche werden wieder sichtbar.


2. Färben:

Blasse Steine werden bereits seit Jahrhunderten nachgefärbt. Auch das Erbstück aus der Zeit des Biedermeier, in welcher der Türkis als Modestein favorisiert wurde, kann unter Umständen gefärbt sein. Heutzutage geschieht dies meist in Kombination mit einer Wachs- oder Kunstharzbehandlung.


3. Behandlung mit Kunstharz:

a) Stabilisieren

Sehr poröse Türkise, die für Verarbeitungsprozesse untauglich wären, werden 'stabilisiert' d.h. mit farblosem oder farbigem Kunstharz imprägniert.  Durch das Füllen und Verkleben der Poren wird selbst mürber, brüchiger Türkis schleif- und polierbar und bekommt eine bessere Farbe.

b) Rekonstruieren

Schleifstaub und granulierte Abfälle lassen sich mit Hilfe von Kunstharz als Bindemittel wieder zusammenfügen ('rekonstruieren'). Das Produkt kommt in Barrenform auf den Markt und wird meist zu Schmuck verarbeitet. Der Kunstharzanteil in solchen Steinen kann bis zu 40 Gew% betragen. Das Kunstharz verbleibt dauerhaft im Stein. Erst nach längerer Zeit können Zersetzungsprodukte (vor allem des Weichmachers) den Stein leicht grünlich verfärben.



Häufige Imitationen

Die jahrtausende alte Vorliebe für die himmelblauen Steine führte auch zu einem negativen Superlativ: Türkis ist wie kein anderer Edelstein in der Vergangenheit und Gegenwart behandelt und nachgeahmt worden. Das musste schon Agricola vor 450 Jahren bekennen.

Die alten Ägypter waren bereits vor etwa 5000 Jahren in der Lage, ein keramisches Material mit türkisblauer Glasur aus Kupfersalzen herzustellen. Die heutigen Möglichkeiten der Manipulationen und Imitation reichen jedoch wesentlich weiter.

Matrixinduzierter Türkis

Das Vorhandensein von dunklen Flecken und Adern ist schon lange kein Zeichen mehr für die Echtheit von Türkis. Diese als "Matrix" bezeichneten Adern bestehen meist aus Resten des Muttergesteins und können Glimmerschiefer, Calcit, Hämatit oder Kupferoxiden enthalten. Türkis mit besonders fein gezeichneten Matrixlinien wird "Spiderweb" Türkis genannt.

Bei stabilisiertem und rekonstruiertem Türkis kann diese Matrix durch Tusche oder in Risse eingepressten, schwarzen Zement täuschend echt nachgeahmt werden. Dazu wird der Stein in eine teerartige Substanz getaucht, die an der Oberfläche haftet. Im anschließenden Schleif- und Poliervorgang wird diese Fremdsubstanz größtenteils wieder entfernt. Sie bleibt nur in den Rissen und Vertiefungen erhalten, was eine gute Imitation für die Türkismatrix ergibt.


"Turkenit"

Eine beliebte Türkisimitation, die aus blau gefärbtem Magnesit, Calcit oder (in seltenen Fällen) Howlith besteht, wird unter dem Namen "Turkenit" gehandelt. Auch Magnesit kann eine induzierte Matrix erhalten, um "Spiderweb-Türkis" zu imitieren. Gefärbter Howlith ist kaum noch im Handel. Wegen der Seltenheit des Ausgangsmaterials ist er durch gefärbten Magnesit ersetzt worden.


Pressprodukte

Eine häufige Imitation sind sogenannte "Pressprodukte". Als Basismaterial wird ein zementartiges Pulver verwendet, welches eingefärbt und unter Zuhilfenahme von Kunststoffgranulat zu Barren gepresst wird. Die Farbe dieser Kunstprodukte kann sehr gleichmäßig hellblau sein oder feine Matrixadern aufweisen. Auch natürliche Minerale wie z.B. Pyrit können mit eingearbeitet werden.

'Neotürkis', 'Wiener Türkis', 'Reese Türkis' (Neolith) und 'Gilson Türkis' sind Handelsnamen, die das Wort Türkis fälschlicherweise im Namen tragen, da sie überhaupt nichts mit echtem Türkis zu tun haben. Als Hilfe zur Unterscheidung von unbehandeltem und behandeltem Türkis und einiger seiner Imitationen kann das spezifische Gewicht (Dichte) herangezogen werden.

 

Verwechslungsmöglichkeiten

Variszit

Grüner Türkis kann vor allem mit dem Mineral Variszit verwechselt werden. Zur Unterscheidung kann der Eisengehalt herangezogen werden, der bei Variszit deutlich höher liegt.

Odontolith

Die Verwechslungsmöglichkeit von blauem Türkis mit Odontolith (Knochentürkis) ist nur noch bei altem Schmuck gegeben. Odontolith entsteht, wenn Zähne und Knochen vorzeitlicher Säugetiere (Mammut, Mastodon, usw. ) durch lange Lagerung in der Erde in Verbindung mit Eisenphosphaten himmelblau geworden sind. Das Material wurde im 19. Jahrhundert kurzzeitig kommerziell abgebaut, ist heute aber nicht mehr im Handel.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 1999
 

Radioaktive Edelsteine

Die Liste der durch künstliche Bestrahlung radioaktiv gewordenen Edelsteine ist erfreulich kurz geworden. Ende des letzten Jahrhunderts wurde mit dem Bekanntwerden von radioaktiven Chrysoberyll-Katzenaugen (1997) und Rubinen (1998), die ausschließlich auf den asiatischen Märkten erhältlich waren, ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Beide künstlich behandelten Steinsorten sind bald nach dem Bekannt werden wieder in der Versenkung verschwunden.

Übrig bleiben eine Handvoll Schmuck- und Edelsteine, die selbst aktiv strahlen. Wie gefährlich sind solche Steine? Und wie wahrscheinlich ist es, daß wir damit konfrontiert werden?

Schon Anfang dieses Jahrhunderts hatte man durch die systematische Erforschung der Farbursachen bei Mineralien herausgefunden, daß manche ihre intensiven Farben dem Einfluss von natürlicher Strahlung verdanken. Rauchquarz und Amethyst, violetter Fluorit, blaues Salz, gelbe Saphire und grüne Diamanten, sie alle erhalten ihre Farbe durch die Einwirkung von natürlicher Radioaktivitätdes sie umgebenden Gesteins, in selten Fällen auch durch Höhenstrahlung. Erste Experimente, diese Prozesse künstlich nachzuahmen waren vielversprechend.

Bereits in den fünfziger Jahren wurden künstlich bestrahlte Rauchquarze hergestellt, die jedoch noch keine kommerzielle Bedeutung erlangten. Der Durchbruch kam Anfang der 70er Jahre mit der Entdeckung, dass farbloser Topas durch Bestrahlung und anschließendem Erhitzen intensiv blaue Farbtöne hervorbringen konnte. Inzwischen werden pro Jahr mehrere Tonnen Topas bestrahlt und verarbeitet.

Reststrahlung

Die Bestrahlungsarten, denen Edelsteine ausgesetzt werden, reichen von energiereicher elektromagnetischer Strahlung (Beta-, Gamma- oder Röntgen-Strahlung) bis hin zur Bombardierung mit Elementarteilchen (Neutronen, Protonen). Nur bei dieser letztgenannten Bombardierung können als Nebenprodukt Elemente entstehen, die zu einer merklichen Radioaktivität des Steines führen. Diese Reststrahlung kann auch beim schon erwähnten Blautopas auftreten, wenn er mit Neutronen beschossen wird. Er kann nach der Behandlung noch mehrere Jahre lang eine meßbare Radioaktivität aufweisen. Deshalb muss er erst einmal in Quarantäne, bis seine Radioaktivität auf die gesetzlich festgelegten Grenzwerte (siehe unten) abgeklungen ist. Auch bei grünen und schwarzen Diamanten kann eine messbare Radioaktivität zurückbleiben, wenn einschlussreiches Ausgangsmaterial verwendet wurde.

Strahlenbelastung und Grenzwerte

Radioaktive Edelsteine und solche, die durch künstliche Bestrahlung aktiviert wurden, dürfen nur dann an Personen weitergegeben werden, wenn ihre spezifische Aktivität 100 Bq pro Gramm nicht überschreitet.

Im Vergleich dazu liegen die gültigen Grenzwerte in Asien bei 74 Bq/gr, in den USA bei 37 Bq/gr. Die 1997 in Südostasien aufgetauchten Chrysoberyll-Katzenaugen zeigten eine Aktivität von 2000 Bq/gr. Vergleichbare Werte von anderen Edelsteinen liegen nicht vor.

Der Umgang mit radioaktiven Edelsteinen (Lagerung, Be- und Verarbeitung) ist genehmigungspflichtig, wenn die spezifische Aktivität des Steins 0,5 Bq/gr überschreitet.

 

Künstliche Farbveränderung durch Bestrahlen

Mineral Naturfarbe Bestrahlungsfarbe Bestrahlungsart Verbreitung
Beryll blassgelb
blassrosa
goldgelb, grün
dunkelblau* [R]
? selten (-)
Diamant gelblich, bräunlich blau, braun, gelb, rot,
grün [R], schwarz [R]
Gamma, Neutronen, Protonen mäßig (+)
Quarz farblos rauchbraun,schwarz Gamma häufig (+++)
Saphir

farblos, rosa
blaßgrün

gelb*, orange*
grün

? selten (-)
Spodumen rosa gelb*, grün* Gamma, Röntgen selten (-)
Topas farblos blau [R], braun [R],
gelb, orange, grün
Beta, Gamma,
Neutronen
häufig (+++)
Turmalin rosa
blassgelb
blassgrün

rot
gelbbraun
grün

Gamma mäßig (+)
Zirkon farblos blau, braun

?

selten (-)

*Farbe instabil       [R] Radioaktivität möglich

 

Deklarationsbestimmungen

In jedem Kaufhauskatalog findet man Schmuckstücke mit blauem Topas. Die übliche Bezeichnung lautet dort: "Blautopas, behandelt" und behandelt meint in diesem Falle: bestrahlt und erhitzt.

Nach der deutschen Rechtsprechung müssen bestrahlte Steine ausnahmslos als "bestrahlt" oder "behandelt" deklariert werden. Dies gilt für alle geschäftlichen Dokumente, Rechnungen, Werbeprospekte, Beschriftungen auf Börsen usw.

Diese gesetzlichen Bestimmungen werden aber in vielen Fällen einfach ignoriert. Bei einer 1998 durchgeführten Marktanalyse des Instituts für Edelstein Prüfung auf einer großen Fachmesse, wurden unter knapp 40 Anbietern von Blautopasen nur zwei gefunden, deren Ware im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen deklariert war. Alle anderen gaben erst nach ausdrücklichem Nachfragen zu, daß ihre Topase bestrahlt waren.

Wie groß ist das Risiko mit radioaktivem Material konfrontiert zu werden?

Bisher wurden am Institut für Edelstein Prüfung noch keine Steine vorgelegt, die eine messbare Radioaktivität aufwiesen, geschweige denn die oben genannten Grenzwerte überschritten hätten.

Bei den meisten durch künstliche Bestrahlung radioaktiv gewordenen Edelsteinen ist eine weite Verbreitung nicht zu erwarten. Setzt man einmal den Bestrahlungsaufwand in Relation zum erzielbaren Resultat, so wird unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität schnell klar, daß nur diejenigen Minerale eine kommerzielle Chance haben, die folgende Bedingungen erfüllen:

1. Die Farbe sollte stabil sein. Bei blauem Beryll (Maxixe Typ), grünem Spodumen (Hiddenit) und z.T. gelbem Saphir ist das nicht der Fall.

2. Die Bestrahlungskosten sollten niedriger sein, als der zu erwartende Verkaufserlös. Gamma- oder Röntgenstrahlen sind leicht verfügbar und preisgünstig, ein Bestrahlung mit Neutronen- oder Protonen erfordert jedoch ein Atomkraftwerk und ist deshalb relativ teuer. Deshalb werden nur Steine behandelt, die auch einen entsprechenden Marktwert erzielen.

3. Die natürliche Verfügbarkeit sollte gering und/oder die Nachfrage groß sein. Das ist wohl der Grund weshalb z.B. künstlich bestrahltes blaues Salz noch nicht auf dem Markt aufgetaucht ist, denn es gibt genug davon aus natürlichen Quellen.

Fazit: Die oben genannten Bedingungen erfüllen im wesentlichen nur vier Minerale: blauer Topas, farbiger Diamant, roter Turmalin und Rauchquarz und unter diesen zählen nur die ersten beiden zu den potentiell radioaktiven Edelsteinen.

Natürliche radioaktive Minerale

Ergänzt werden müssen jedoch noch diejenigen Edel- und Schmucksteine, die von Natur aus radioaktiv sind oder sein können.

Mineral Farbe Strahlenquelle
Ekanit grün, hellbraun Thorium
Monazit gelbbraun Thorium
Zirkon grün Uran, Thorium

Monazit und Ekanit zählen zu den Raritäten unter den Edelsteinen. Mit ihnen werdenSie wohl nur selten in Berührung kommen. Grüner Zirkon jedoch kann so viele radioaktive Einschlüsse enthalten, dass sogar seine Kristallstruktur zerstört wird.


Glossar:

Beta-Strahlung: energiereiche Elektronenstrahlung, die z. B. in Linearbeschleunigern erzeugt wird.

Gamma-Strahlung: sehr kurzwellige und energiereiche elektromagnetische Strahlung, wie sie z.B. von den radioaktiven 60Kobalt- oder 137Caesium-Isotopen ausgeht. Sie wird vor allem zum Sterilisieren von Lebensmitteln und medizinischen Geräten benutzt.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2008

 


Rissfüllungen in Edelsteinen

Riss(ver)füllungen gehören zu den Eigenschaftsveränderungen, die die Verbesserung der Transparenz eines Steines zum Ziel haben. Eine größere Transparenz erlaubt dem Licht, tiefer in den Stein einzudringen. Es legt damit einen längeren Weg zurück, bevor es den Stein wieder verlassen kann und erzeugt dadurch den Eindruck einer intensiveren Farbe. Risse und Ausbrüche hingegen stören den ungehemmten Strahlengang. Das Licht wird in alle Richtungen abgelenkt (gestreut), wodurch ein blasserer Farbeindruck entsteht.

Risse bilden sich vielfach schon bei der Entstehung der Steine. Besonders metamorph unter hohem Druck und/oder Temperatur entstandene Minerale wie z.B. Smaragd, Rubin und Saphir sind davon betroffen. Ein übriges tun die heutzutage üblichen Abbaumethoden, die auf schweres Gerät und der Anwendung von Sprengstoff basieren.

Luft und mineralische Verunreinigungen in den Rissen können die Transparenz und den Glanz dieser Steine erheblich beeinträchtigen. Ersetzt man diese Verunreinigungen durch farblose Substanzen, die eine ähnliche Lichtbrechung wie der Stein besitzen, so werden die Risse für das bloße Auge fast unsichtbar.

Diese Behandlungsart ist bei Smaragd zum Standart geworden, aber auch bei Aquamarin, Quarz, Rubin und Saphir sehr verbreitet. Sie erfolgt in vier Schritten.

Zunächst müssen die Steine ausgiebig gereinigt werden. Besonders die Risse sollten frei sein von allen Verunreinigungen. Dies erreicht man am besten mit Lösungsmitteln wie z.B. Aceton, Alkohol oder Trichlormethan (Handelsbezeichnungen: "Attack", "Tri"). Hartnäckigere Verunreinigungen lassen sich mit Oxalsäure auflösen, mit "rauchender" konz. Salzsäure oder mit der stärksten bekannten Säure, dem Königswasser, das sogar Gold auflöst. Nach solch einer Säurekur müssen die Steine erst einmal neutralisiert werden, um allmähliche Farbveränderungen des Steins und Hautveränderungen des Kunden/der Kundin) zu vermeiden.

Rissfüllungen mit natürlichen Ölen und Harzen

Die solchermaßen vorbereiteten Steine können nun einfach in den gewünschten Ölen oder Harzen erwärmt werden. Durch die Wärmeausdehnung kann die Luft in den Rissen zum Teil entweichen. Beim Abkühlen ersetzt das Füllmittel die entfernte Luft und dringt in die Risse ein. Bessere Ergebnisse erzielt man allerdings mit einer Vakuumpumpe, mit deren Hilfe wesentlich mehr Luft aus den Rissen gezogen werden kann. Der Stein wird bei diesem Verfahren noch im Vakuum in das Öl oder Harz getaucht. Beim Wiederherstellen des normalen Luftdrucks wird dann das Öl/Harz in die Risse gepreßt. Mit dem abschließenden Reinigen und Wachsen der Steine (mit Bienenwachs, Vaseline oder Flüssigparaffin) ist der Prozess abgeschlossen.

Die Spanne der verwendeten natürlichen Harze und Öle reicht von Zedernholzöl über Kanadabalsam bis hin zu Pflanzenölen verschiedenster Herkunft (siehe Tabelle). Öle sind relativ leicht löslich trocknen aber auch rasch aus. Deshalb kamen sie in den vergangenen Jahren immer weniger zum Einsatz. Erst in jüngerer Zeit erleben sie eine Renaissance, da sich das Öl leicht wieder entfernen oder erneuern läßt. Naturharze sind etwas resistenter, gegen Austrocknung, jedoch neigen sie zu Volumenverlust. Durch den Schrumpfungsprozess werden die Risse allmählich wieder sichtbar.

Zedernholzöl ist eines der gängigsten Mittel zur Behandlung von Smaragden. Leider besitzt es die Eigenschaft, sich unter dem Einfluß von UV-Licht relativ rasch zu zersetzen und dabei Sauerstoff freisetzen, der im Extremfall die Farbe des Steins ausbleichen kann. Dieser Prozess setzt erst ein, wenn der Stein im Sonnenlicht getragen oder in sonnenbeschienenen Auslagen präsentiert wird.

Kanadabalsam (Abies balsamea), das aus der nordamerikanischen Balsamfichte gewonnen wird, ist nicht nur ein sehr beliebtes Mittel um Risse in Edelsteinen zu verbergen, sondern bei Geowissenschaftlern auch als Klebemittel für Dünnschliffe bekannt. Es ist in seiner Konsistenz dickflüssiger als Zedernholzöl und wird deshalb oft mit Toluol verdünnt, damit es tiefer in die Risse eindringen kann. Additive (Antioxi-dantien) können zwar den natürlichen Zersetzungsprozess verlangsamen, mit der Zeit vergilbt das Harz dennoch und verändert dadurch den Gesamtfarbeindruck des Steines.

Öl und Wachs dienen nicht nur als Rissfüller, um die Transparenz zu erhöhen, auch opake Steine werden geölt oder gewachst, um die Farbe zu intensivieren und den Glanz zu erhöhen. Dies funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nach dem ein nasser Stein farbintensiver wirkt als ein trockener.

Rissfüllungen mit Kunstharzen

Anfang der 80er Jahren glaubte man den Nachteilen der natürlichen Harze entgehen zu können, indem man sie durch Kunstharze ersetzte.

Neben Füllmitteln und Klebern, die z.B. im Dentalbereich benutzt werden und mit UV-Licht aushärten, kommen vor allem Epoxidharze zur Anwendung, dem Hauptbestandteil von Zwei-Komponenten Klebern. Sie sind unter den Namen Opticon, Palm Öl, Araldit oder Gemtrat weit verbreitet.

Das Mischen beider Komponenten (was zu einem zusätzlichen Klebeeffekt führen würde), erwies sich bei Edelsteinen jedoch als wenig ratsam. Der Härter beginnt sich schon nach einem Jahr zu zersetzen und wird gelb. Außerdem schäumt er im der Vakuum auf, wodurch eine gleichmäßige Rissfüllung verhindert wird. Man benutzt deshalb meist nur eine Komponente, die als zähes Harz im Riss haftet. Optional kann der Härter außen auf dem Stein verrieben werden, wodurch der Kleber an der Oberfläche aushärtet.

Die optische Wirkung von Kunstharz-Rissfüllungen ist die gleiche wie bei Naturharzen, die Hoffnungen auf eine unbegrenzte Haltbarkeit wurden jedoch enttäuscht. Heute wissen wir, daß sich auch Kunstharze langsam zersetzen. Opticon, das am häufigsten benutzte Epoxidharz, wird über die Jahre hinweg gelblich. Palm Öl (ein synthetisches Derivat von Epoxy 828 oder 6010) wird mit der Zeit milchig trüb.

Bei Smaragden weißen die Zeichen der Zeit deshalb wieder zurück zu den Wurzeln: Ölen ist wieder angesagt.

Die Behandlung mit farblosen Ölen oder Harzen ist übrigens nicht deklarationspflichtig. Bei Verwendung von Kunstharzen muß der Stein jedoch als "behandelt" bezeichnet werden. In den USA werden die Behandlungen zum Teil mit Buchstaben codiert (z.B. O = oiled; E = enhanced, wobei letzteres nichts anderes bedeutet als mit Kunstharz behandelt).

Durch die Behandlung mit Öl oder Kunstharz werden die Risse zwar für eine Weile verborgen, aber nicht beseitigt. Es besteht immer die Gefahr, daß der behandelte Stein  (z.B. beim Fassen) zerbricht, weil er im Grunde genommen in einem maroden Zustand ist. Darüber hinaus ist der erreichte Zustand nicht von langer Dauer.

Rissfüllungen mit Glas

Eine Behebung dieser Nachteile verspricht man sich durch eine  spezielle Technik, durch die offene Risse und Ausbrüche  im facettierten Stein mit Glas gefüllt werden. Es handelt sich bei diesem Glas jedoch nicht etwa um Fensterglas, sondern um eine erstarrte Schmelze von Substanzen, die bei der synthetischen Herstellung von Edelsteinen zur Anwendung kommt. Man nutzt dabei die Eigenschaft bestimmter Flußmittel wie z.B.  Lithiummolybdat und Kryolith, um die Edelsteinsubstanz etwas anzulösen. Bei der Solidifizierung der Schmelze verbindet sich das in Lösung gegangene Material des Edelsteins mit dem Flußmittel zu einem Glas und/oder kristallisiert als synthetischer Stein wieder aus.

Wegen diesem synthetischen Anteil stellen einige Gemmologen diese Art der Behandlung bereits auf die gleiche Stufe wie Edelsteine mit synthetischen Überzügen Die Diskussion darüber ist noch im Gang...

Autor: Dipl.-Min. B. Bruder

© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 1999
 

Jade und ihre Imitationen

Die unendliche Geschichte der Fälschungen und Imitationen

Zähigkeit von MineralenDie efinition des Begriffs "Jade" wird seit Jahrhunderten sehr kontrovers diskutiert. In China ist Jade schon seit mindestens 5000 Jahren in Gebrauch. Wegen seiner ganz besonderen Eigenschaft, so zäh und widerstandsfähig zu sein, wie kein anderes damals bekanntes Material (siehe Tabelle rechts) lies es sich gut für Werkzeuge und Waffen benutzen. Experten konnten es am Klang erkennen, wenn man es aneinander schlug und an der Art wie sich seine Oberfläche anfühlte.

Mit der Zeit wurde das Material auch für Kunstobjekte (Vasen, Figuren) entdeckt und es begann sich ein regelrechter Kult um die Jade zu entwickeln. Kunstgegenstände und Jadeschmuck galten als Glücksbringer und waren sehr begehrt. Bestimmt gab es auch damals schon Imitationen, aber erst im 18. Jahrhundert kam DIE Jade-Imitation aus Burma auf den Markt, die den chinesischen Jadehandel richtig durcheinander wirbelte.

Das neue Material war optisch deutlich ansprechender als die bisher gehandelte Jade, leider aber auch etwas spröder. Sie wurde zunächst fei-ts'ui ("Nicht-Jade") genannt, allmählich begannen die Unterscheidungen aber zu verschwimmen. Erst als Wissenschaftler im 19. Jahrhundert die chemische Zusammensetzung dessen untersuchten, was zu dieser Zeit in China als Jade gehandelt wurde, wurde entdeckt, das zwei völlig verschiedene Minerale auf dem Markt waren. Ähnliches war in der Vergangenheit schon öfters passiert . Man denke nur an den Begriff "Karfunkel", der nicht mehr benutzt wurde, als klar wurde, dass unter diesem Namen Rubin, roter Spinell, roter Granat, roter Turmalin usw. gehandelt wurden. Jedes rote Mineral bekam einen eigenen Namen und der Oberbegriff verschwand. Nicht so bei der Jade. Dort blieb der Begriff "Jade" bis heute erhalten.

Jade ist deshalb kein Mineralname, sondern ein Begriff für zwei verschiedene Minerale, deren Gemeinsamkeit ihre enorme Zähigkeit ist: Jadeit und Nephrit (einer Varietät des Minerals Aktinolith). Beide müssen als Aggregate, d.h. in Form kleinster verzahnter Körner oder verfilzter Fasern vorliegen, um als Jade bezeichnet werden zu können. Bei Jadeit ist das kein Problem, weil er nur sehr selten regelrechte Kristalle bildet. Bei Nephrit ist das etwas anders.

Nephrit-Jade

"Nephrit" ist eine Varietätsbezeichnung für Mineralen aus der Tremolit-Aktinolith Mischkristallreihe, die als feine, miteinander verfilzte Fasern vorliegen müssen, um als Jade zu gelten. Darin unterscheiden sie sich z.B. vom kristallinen grünen Aktinolith und dem grauen Tremolit. Die durch Chrom und Eisen verursachte Farbe des Nephrits reicht von graugrün über dunkelgrün bis fast schwarz, kann aber auch ins rotbraune gehen.

Bei Nephrit gibt es keine spezielle Qualitätsgraduierung wie bei Jadeit, (siehe dort) er kann jedoch ähnlich manipuliert sein. Hier ist vor allem das Bleichen und das Versiegeln von Rissen hervorzuheben.

Jadeit-Jade

Jadeit ist ein Mineral aus der Familie der Pyroxene. Das wichtigste Merkmal dieser Varietäten ist ihre innere Struktur. Nur wenn sie in Form kleinster verzahnter Körner vorliegen und dadurch eine große Zähigkeit erlangen, werden sie als Jade bezeichnet.

Die begehrteste Farbe von Jadeit-Jade ist ein durch Chrom verursachtes smaragdgrün. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Farbvarietäten wie weiß, schwarz, gelb, rosa, rot, braun, und rotviolett ("Lavendeljade"), die jedoch eher zu den Exoten zählen.

Grüner Jadeit kommt in 3 Qualitätsstufen auf den Markt: Die beste Qualität wird als "Imperial Jade" oder Grade A-Jade (kurz: A-Jade) bezeichnet. Sie besitzt ein kräftige smaragdgrüne Farbe und ist durchscheinend. "B-Jade" wird in starken Säuren gekocht, um Verunreinigungen (z.B. Eisenoxide) aus den Rissen zu entfernen, die anschließend mit Wachs oder Kunstharz versiegelt werden. "C-Jade" ist wie B-Jade behandelt und zusätzlich noch grün gefärbt.

Maw-sit-sit

"Maw-sit-sit" ist ein jadeithaltiges Gestein aus Burma (Myanmar). Der Name leitet sich ab von einer Lokalbezeichnung aus seinem Fundgebiet in der Umgebung von Tawmaw. Das Gestein besteht aus einer Grundmasse aus hellen Gemengteilen (vor allem Albit, aber auch Zeolithe und Chlorit), in der zahlreiche dunkle Bestandteile, vor allem Mischkristalle der Jadeit-Kosmochlor Reihe von intensiv grüner Farbe, auftreten. Sie können sowohl größere Einzelkristalle oder ein blockiges Mosaik bilden. Dazwischen liegen immer wieder schwarze Nester von feinfilzigem Kosmochlor einem Chrom-Analogon zu Jadeit. Im Zentrum der Kosmochlornester, findet sich oft metallisch glänzender Chromit in Form kleiner Restkörner. Darüber hinaus bildeten sich gröbere Kristalle von grauer bis grüner Färbung aus Amphibolen bzw. Chrom-Amphibolen. Maw-sit-sit wird als eigenständige Jadevarietät angesehen.

Ursprünglich wurde dieses Gestein als "Jadealbit" bezeichnet. Im Laufe der Jahre wurde jedoch mehr und mehr Maw-sit-sit angeboten, dessen Albitanteil kontinuierlich zurück ging. Deshalb gilt die Bezeichnung Jadealbit heute als veraltet. Auch er Name "Chloromelanit", der hin und wieder als Synonym für Maw-Sit-Sit verwendet wird, ist heute unüblich. Da der Name früher für eine ganze Anzahl von verschiedenen grünen Gesteinen mit unklaren und oft widersprüchlichen Beschreibungen vergeben wurde, sollte der Begriff heutzutage nicht mehr verwendet werden.

 

Imitationen

JadeimitationenDie komplizierten Zusammenhänge zwischen den unter dem Begriff Jade zusammengefassten Mineralen und Eigenschaften öffnen "Interpretationen" ein weites Feld. Ein Großteil der im Handel angebotenen Jade ist heutzutage weder Jadeit noch Nephrit, sondern besteht aus ganz anderen Mineralien (siehe Tabelle rechts). Man gewinnt den Eindruck, dass alles was grün und undurchsichtig ist, als "Jade" bezeichnet wird. Immer wieder wird versucht neue Minerale unter diesem Begriff unterzubringen.

Am besten gelingt das derzeit mit dem Mineral Serpentin. Dieses als "China Jade" oder "Neue Jade" angebotene Material sieht nicht nur aus wie Jade, es kommt in manchen Lagerstätten auch zusammen mit Nephrit und Jadeit vor.

Meist ist es zwar viel weicher, seine Varietät Antigorit (früher Bowenit genannt) erreicht aber sogar fast die Härte von Jade. Die Zähigkeit liegt allerdings weit unter der von echter Jade. Sie ist aber immer noch höher, als bei vielen anderen Mineralen (siehe Tabelle oben). Durch die wesentlich leichtere Bearbeitbarkeit ist dieses Mineral in den letzten Jahren zum bevorzugten Jade-Ersatz aufgestiegen. Kunstgegenstände wie Vasen, Schalen, Skulpturen, Qi Gong Kugeln aber auch Schmuck und Ketten: Viele Angebote dieser Art sind derzeit Serpentin und keine Jade.

Weiße, gelbe, rosa oder rote Jade ist selten im Handel. Es handelt sich dabei um Farbvarietäten von Jadeit. Typischerweise werden diese Varietäten gerne imitiert (siehe Tabelle). So z.B. Lavendel Jade durch violett gefärbten weißen Jadeit oder durch Lepidolith (Lithiumglimmer).

Weitere Jade-Imitationen bestehen aus Gläsern, die mit einem speziellen Verfahren "entglast" wurden. Dadurch bekommen sie kleine Einschlüsse und werden trübe bis fast undurchsichtig.

Diese Kunstprodukte werden sehr erfolgreich unter den Handelsnamen "Sibirische Jade", "Metajade", "Victoria Stein", "Iimori Stein" oder "Kinga Stein" vermarktet.

Wer nun denkt, die meisten Jadeimitationen sind hiermit genannt der irrt!
Neben den in der nebenstehenden Tabelle genannten Imitationen mit speziellen Handelsnamen, sind noch eine Vielzahl weitere Mineralien im Rennen um die Gunst der Jadekäufer. Die wichtigsten davon sind: Agalmatolith (ein sehr weiches specksteinartiges Gestein), grüner, undurchsichtiger Fluorit, gefärbter Quarzit und Wollastonit; Saussurit (ein feinkörniges Gemenge aus zahlreichen Verwitterungsmineralen), Sillimanit und Verdit, ein Glimmergestein.

Für all diese Imitationen gilt: Sie können echter Jade sehr ähnlich sehen und sind meist nur durch eine genaue gemmologische Untersuchung zu identifizieren.


Autor: Dipl.-Min. B. Bruder


© INSTITUT FÜR EDELSTEIN PRÜFUNG (EPI), 2008
 

 

 

Granat-Pyroxenit alias Peridotit

Freitag, 28. Dezember 2007
 

 

Ein rot-grün geflecktes Gestein, aus dem Gebiet um Alesund / Westnorwegen, wird im Internet als "Granat-Peridotit" angeboten. In mehreren untersuchten Proben, deren Aussehen stark variierte (siehe Abbildung), konnten anhand von röntgenographischen Untersuchungen neben rotbraunem pyropreichem Granat, der in allen Proben vorhanden war, verschiedene Pyroxenminerale nachgewiesen werden. Die dunkelgrünen Bereiche der Varianten A und C bestehen aus Diopsid und etwas Enstatit. Bei Variante B ist der gelbliche Enstatit stärker vertreten. Die hellgrünen Bereiche dieser Variante bestehen aus Mg-Ferrosilit und etwas Diopsid. Peridot war jedoch in keiner der Proben vorhanden. Die Bezeichnung "Peridotit" ist demnach nicht korrekt.

Anhand der Zusammensetzung aus Granat und verschiedenen Pyroxenmineralen, lässt sich dieses Gestein am besten als Granat-Pyroxenit definieren. Pyroxenite sind magmatische Gesteine, die aus mehr als 50% Pyroxen bestehen. Es handelt sich dabei um Gesteine aus dem oberen Erdmantel, die durch tektonische Vorgänge in die obere Kruste gebracht wurden, oder um magmatische Intrusionen in bestehende Gesteinskomplexe.

Detaillierte Informationen zu diesem prägnanten Gestein finden Sie in unserem Newsletter-Archiv.



"Hilutit" - ein Zirkon-Granat-Quarzit aus Sri Lanka

Donnerstag, 05. April 2012
 

 

 
(Foto: K. Sieber, www.makrogalerie.de)

Im Jahre 2004 kam ein rötliches Gestein auf den Markt, das unter dem Handelsnamen "Hilutit" (angeblich eine Verballhornung von "Hilft und tut gut") vermarktet wurde. Es stammt aus Sri Lanka, der genaue Fundort wurde jedoch geheim gehalten.

Eine Dünnschliffanalyse des EPI-Instituts ergab damals, dass es sich um ein quarzreiches Gestein (Quarzit) handelt, mit Einlagerungen von Granat und Zirkon.

Spätere Untersuchungen ergaben neben Quarz vor allem Goethit und Zirkon. Die gefundenen Abweichungen im Mineralstoffgehalt machten weiterführende Untersuchungen erforderlich, bei denen modernste Analyseverfahren wie z.B. die Ramanspektroskopie zum Einsatz kamen.

Das Ramanspektrum zeigte eine perfekte Quarzsignatur, die so intensiv war, dass die Signaturen der winzigen Einschlüsse komplett im Hintergrundrauschen untergingen.

Erst mit Hilfe der Röntgendiffraktionstechnik (RDA) und der genauen Untersuchung von weiteren Gesteinsdünnschliffen gelang es, die Einschlüsse eindeutig zu identifizieren. An Einschlussmineralen treten vor allem Granat und Zirkon auf. Der Granat ist stellenweise etwas angewittert und mit einer Eisenoxidschicht überzogen, so dass der Eindruck entstehen kann, es läge ein Goethit vor. Daneben ist noch etwas Muskovit und in wenigen Exemplaren auch Chlorit und/oder Biotit sowie akzessorisch Hämatit erkennbar.

Es handelt sich demnach definitiv um einen Zirkon-Granat-Quarzit. Goethit tritt allenfalls untergeordnet (akzessorisch) auf, wurde in unseren Proben jedoch nicht gefunden.

Und auch über die lange geheim gehaltene Lagerstätte des Materials gibt es nach einer Forschungsreise des EPI-Teams nach Sri Lanka genauere Hinweise. 130 km nordöstlich der Hauptstadt Colombo fanden wir eine Gesteinsformation, die "Pink Quarz Deposit" genannt wird. Diese Zone eines rötlichen Quarz(it)s ist wahrscheinlich der Ursprung des "Hilutit"-Quarzits.






Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Anja Weiss( anja.weiss22gmail.com ), 06.07.2014 um 17:46 (UTC):
Ich habe einen lieblingsstein den ich von einer exkursion in den Alpen habe. ein Disthen-Glimmer schiefer. der disthen balanciert meine energie chakren. bin generell interssiert daran was passiert wenn man ein metamorphes gestein mit verschiedenen mineralzusammensetzungen nimmt, was aendert ich in der wirkung gegenueber einzelner mineralien? hat es was mit den unterschiedlichen P-T bedingungen zu tun bei denen die gesteine antstehn? ja, ich bin geologin und vor kurzem auf die Heilende wirkung von steinen gestossen und wuerde gerne mehr darueber rausfinden und was damit anfangen. weiss alerdings noch nicht was?

Kommentar von lishou?reviews( rypnrvigmail.com ), 26.10.2013 um 15:55 (UTC):
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